22.01.2002 · Nach dem "Wort des Jahres" steht auch das "Unwort des Jahres" im Zusammenhang mit dem Terror vom 11. September. Die Wahl fiel auf den Begriff "Gotteskrieger".
Das „Unwort“ des Jahres 2001 heißt „Gotteskrieger“. Das gab am Dienstag eine Jury der Universität Frankfurt bekannt. In der Begründung heißt es: „Kein Glaube an einen Gott, gleich welcher Religion, kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen.“ Die Formulierung wurde aus rund 1.400 Zuschriften mit 727 verschiedenen Vorschlägen ausgewählt.
Aus den genannten Auswahl-Gründen hätte die Bezeichnung für die Kämpfer der afghanischen Taliban beziehungsweise der Al-Qaida-Terrororganisation von Usama bin Ladin tabu sein müssen, argumentiert die Jury. Der Vorwurf treffe vor allem die akustischen Medien, hieß es. Die Bezeichnung offenbare, dass es an jeglicher kritischen Distanz zum pseudoreligiösen Anspruch des "Unwortes" fehle. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Bezeichnung "Kreuzzug" für die US-Vergeltungsschläge für die Terrorattacken vom 11. September und "Topterrorist", das als Bezeichnung für den gesuchten Al-Qaida-Chef Bin Ladin "extrem verharmlosend" sei.
Unworte des Jahres seit 1991
Die „Worte“ und „Unworte“ des Jahres gelten als Ausdruck des Zeitgeistes in Deutschland. Zum ersten Wort des Jahres wurde 1971 „aufmüpfig“ gewählt. Seit 1977 entscheidet sich die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden jährlich für einen Begriff. Seit 1991 geißeln Sprachwissenschaftler zudem abwertende und schönfärberische Begriffe als „Unworte“.
Die "Unworte des Jahres" (mit einer Kurz-Begründung) seit 1991: „Ausländerfrei“ (fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda), 1992: „Ethnische Säuberung“ (Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien) 1993: „Überfremdung“ (Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern) 1994: „Peanuts“ (Der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, geringschätzig über die offenen Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider) 1995: „Diätenanpassung“ (Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag) 1996: „Rentnerschwemme“ (falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt) 1997: „Wohlstandsmüll“ (Umschreibung arbeitsunwilliger und -unfähiger Menschen des früheren Verwaltungspräsidenten von Nestlé, Helmut Maucher) 1998: „sozialverträgliches Frühableben“ (zynisch wirkende Ironisierung des Ex-Präsidenten der Bundesärztekammer Karsten Vilmar) 1999: „Kollateralschaden“ (Verharmlosung der Tötung Unschuldiger als Nebensächlichkeit, Nato-offizieller Terminus im Kosovo-Krieg) 2000: „National befreite Zone“ (zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird) 2001: „Gotteskrieger“ (Kein Glaube an einen Gott
gleich welcher Religion kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen)