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Sprachbegabung Wasserpolnisch

 ·  Miroslav Klose und Lukas Podolski sprechen es beide: Wasserpolnisch. Die Sprachgeschichte dieser Mundart treibt bunte Blüten, die auch über Grenzen ranken.

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© REUTERS Ein Herz und eine Mundart: Klose und Podolski freuen sich

Eine gedankliche Verbindung zwischen „Fußball“ - „Wasser“ - „Polen“ ist im breiteren öffentlichen Bewusstsein über die sogenannte Wasserschlacht von Frankfurt gegeben: Deutschland bezwang bei der WM 1974 Polen 1:0, das Tor schoss natürlich Gerd Müller. Dank Miroslav Klose und Lukas Podolski gibt es inzwischen eine weitere. Die gebürtigen oberschlesischen Nationalspieler unterhalten sich in einer Mundart mit der schönen Bezeichnung: Wasserpolnisch.

Die poetische Anmutung wird heute oft mit der Erläuterung ausgebremst, der Begriff sei negativ konnotiert, obwohl er ursprünglich wohl eine neutrale Bezeichnung ist, die aus dem Idiom von Flößern stammt. Diese benannten damit im siebzehnten Jahrhundert die Sprache der Bevölkerung auf der rechten Oderseite bei Brzeg (Brieg). Seit dem neunzehnten Jahrhundert aber werde Wasserpolnisch zunehmend abschätzig als „verwässertes Polnisch“ verstanden, heißt es in einem Wörterbuchartikel, ähnlich schlecht besetzt ist der zugehörige „Wasserpola(c)k“.

Mischsprache mit Identitätskrise

Linguistisch gesehen, ist das Schlesische oder Schlonsakische eine Mischsprache mit polnischer Grundstruktur, in der es nicht nur entlehnte Germanismen, sondern auch hübsche Zwitterworte gibt. So heißt das deutsche Wort „Bügeleisen“, polnisch „Zelasko“, auf Wasserpolnisch „Büglosko“. Um das Ganze zu verkomplizieren, drängt das benachbarte Tschechische noch mit in die Mundart - Sprachgeschichte treibt eben bunte Blüten, die auch über Grenzen ranken. Die Freude an ihrer Kreativität wird indes dadurch getrübt, dass noch immer Identitätskrisen und Ressentiments mit der schlesischen Mischsprache verbunden sind. Besonders im Kontext der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs, der Geschichte der Vertriebenen und der seither betriebenen polnischen Kulturpolitik hat sie einen schwierigen Stand.

Aus der Sicht nationalbewusster Polen stehen die Sprecher des schlesischen Dialekts unter dem Verdacht, keine echten Polen sein zu wollen, und manche wollen dies auch wirklich nicht: Seit 1990 gibt es eine schlesische Unabhängigkeitsbewegung, die nach jüngsten Berichten immer stärker wird. Durch sie wird das Wasserpolnische zwar aufgewertet, aber auch dazu instrumentalisiert, Grenzen jenseits der Sprache (wieder-)aufzubauen, die Europa vielleicht gar nicht braucht.

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