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Spektakuläres aus Berlin : Der Tunnel

Berlin, es geht doch: Einbrecher haben in Steglitz hochprofessionell einen formschönen Tunnel gegraben und 309 Volksbank-Schließfächer ausgeräumt. Welch ein Architektur-Vorbild für den Flughafen.

          Zwei spektakuläre Bauprojekte beschäftigen die Berliner in diesen Tagen. Das eine ist der Großflughafen BER, das andere der Tunnel von Berlin-Steglitz. Dort hatten, in der Nacht zum 14. Januar, Einbrecher einen fünfundvierzig Meter langen Gang von einer Tiefgarage zum Tresorraum der Volksbank gegraben und in aller Ruhe 309 Schließfächer ausgeräumt, wonach sie unerkannt verschwanden und eine Architektur hinterließen, die sich von allen anderen neueren Berliner Bauwerken durch „hochprofessionelle Bauweise“ (Berliner Polizei) unterscheidet: mit Eisenwinkeln verbundene Holzbretter stützen den Tunnel, der in einer formschönen, mit einem Betonbohrer angefertigten Rosette endet; plötzlich war er da, niemand hat etwas gemerkt.

          Solche Professionalität vermisst man bei Schloss, Kanzler-U-Bahn, S-Bahn, wo viel gelärmt und noch mehr ausgegeben wird, aber keine sichtbaren Erfolge festzustellen sind. Am neuen Großflughafen sind nicht nur die Rolltreppen zu kurz, die Kabelschächte zu schwach, der Brandschutz vergessen und zigtausend Baufehler festgestellt, sondern auch die Auswirkungen der Flugrouten mutwillig geschönt worden.

          Eröffnen kann man den Flughafen nun wohl erst 2015, vielleicht noch später, und womöglich geschieht auch das, was man in Brandenburg immer macht, wenn es mit dem Abflug aus großen Hallen nicht klappt: Man baut den Ort, an den man fliegen wollte, in der Halle nach.

          Wird aus dem Flughafen gleich das Urlaubsziel?

          So wurde schon in der ehemaligen Cargo-Lifter-Halle in Brandenburg ein Urlaubsort errichtet, „der das Klima und Ambiente tropischer Inseln nachstellt“: Niemand muss mehr ein Flugzeug besteigen, um unter einer Palme zu sitzen, und die meisten Anreisenden merken den Unterschied sowieso nicht.

          Auch das wäre eine Lösung für BER: Die Flugsteige einfach weglassen und in den Hallen die Destinationen in klein nachbauen. Dafür brauchte man allerdings schon eine Halle. Seit aber Manfred Körtgen, der ehemalige Chefplaner des neuen Großflughafens, im Mai 2012 erklärte, dass der Flughafen auf jeden Fall „physisch existent“ sei, macht man sich sogar um die Existenz der Bauten Sorgen: Warum muss sie eigens betont werden? Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass im Süden von Berlin mit viel Geld und Radau überhaupt nichts gebaut wurde? Wäre am Ende also gar kein Flughafen da?

          Dagegen der Tunnel: nachweislich existent, lautlos gebaut, rechtzeitig fertig, im Kostenrahmen geblieben, effektiv und schön. So etwas gelingt in der Hauptstadt nur noch von privater Hand. Kein Wunder, dass man in Berlin so fieberhaft nach den Erbauern fahndet.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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