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Sparsam, fleißig, pünktlich Die Aldi-Tugenden

28.07.2010 ·  Theo Albrecht, der Aldi-Mitbegründer, hat mit bürgerlichen Tugenden ein weltweit operierendes Handels-Imperium hinterlassen - und ein vereinigtes Aldi-Deutschland, das sich an die Demokratisierung von Luxus gewöhnt hat.

Von Hannes Hintermeier
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Auf der Forbes-Liste rangiert er einundzwanzig Plätze hinter seinem zwei Jahre älteren Bruder Karl: Platz einunddreißig, mit rund dreizehn Milliarden Euro Vermögen. Ein König Midas der Lebensmittelbranche. Und wie es sich für eine Sagengestalt schickt, vollkommen unbekannt. Auch in seinem Sterben blieb Theo Albrecht, der Mitbegründer des Aldi-Imperiums, seinen familiären Prinzipien treu. Die Beerdigung des achtundachtzigjährigen gläubigen Katholiken fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

So haben es die Brüder stets gehalten, die Entführung Theo Albrechts 1971 mag diese Einstellung befestigt haben. Keine Interviews, keine Zitate, keine Presseabteilung, keine Geschäftszahlen, keine hypertrophierenden Vorstände. Keinen Pfennig an Marketing-Firmen, keine Berater, kein Selbstzweifel an der eigenen Kompetenz. Das geht nicht? Doch, das geht. Lange bevor im Einzelhandel das zynische „Geiz ist geil“-Geplärre anhob, hatten sich die Brüder auf ihr reduktionistisches Programm festgelegt. Das bot in den Aufbaujahren das Lebensnotwendige, die Ware in Kartons, aber in den Regalen kein Muff aus tausend Jahren, sondern nur Schnelldreher.

Nord-Südteilung entlag des Aldi-Äquators

Alle Trittbrettfahrer der Discount-Idee erreichten nie jenen Zustand abgeklärter Askese, die den Marktführer mit seinen Eigenmarken auszeichnet. Sie übernahmen bei ihrer Aufholjagd höchstens die Position des Arbeitnehmerausbeuters. Das Unternehmen hat sich mit dem Land verändert und nebenbei die bürgerlichen Tugenden Sparsamkeit, Fleiß und Pünktlichkeit erfolgreich in siebzehn andere Länder exportiert, bis nach Australien. Trotz der deutschen Teilung in Aldi-Nord- und Südstaaten gab es nie einen Zweifel, dass Deutschland einig Aldiland ist. Dem Arme-Leute-Image folgte die Demokratisierung von Luxusgütern, geblieben sind die streckenweise unsittlich niedrig anmutenden Preise.

Der erworbene Reichtum floss in Stiftungen, außer einer Leidenschaft für das Golfspiel ist über Theo Albrechts Lebensstil nichts bekannt. Ob die Tatsache, dass er 1970 die Einkaufstüte von dem bekannten Maler Günter Fruhtrunk gestalten ließ, auf ein Interesse für moderne Kunst schließen lässt? Auf seinem Briefpapier xte er Jahre nach der Postleitzahlen-Umstellung 1993 die alte Essener Nummer 4300 einfach aus – sparsam war der Mann gewiss auch im Privaten. Zu seiner Zeit, auf der Höhe seiner unternehmerischen Schaffenskraft, hätte man ihn einen Wirtschaftskapitän genannt. Das blieb aus, vermutlich weil er das Schiff von einer Brücke aus steuerte, deren Fenster verspiegelt sind.

Der Autor hat zu dem Thema das Buch „Die Aldi-Welt. Nachforschungen im Reich der Discount-Milliardäre“ (München, 2000) veröffentlicht.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1961, Redakteur im Feuilleton.

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