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Spanische Projekte : Lass Vegas!

Vor den Toren Madrids wird es entstehen: „Eurovegas“. Und weil ein Magnat viel Geld in das Projekt investiert, gibt es für ihn eine Gesetzgebung à la carte.

          Am Ende des Jahres werfen wir gern einen Blick auf tapfere kleine Sozialprojekte, die die Menschheit voranbringen. Damit stärken wir uns für den Beginn eines neuen Jahres, in welchem die Menschheit sich garantiert wieder Dummheiten, Frechheiten und soziale Rückschritte leisten wird. In Spanien zählt zu den Heldentaten, eine neue Buchhandlung zu eröffnen.

          Diese hier, „La Fábrica“, liegt im Zentrum von Madrid und empfängt die Laufkundschaft mit feinen Lyrikbänden und stapelweise soziologischer Theorie. Manchmal gehen wir nur hinein, um uns die exotischen Cover anzusehen. Eine andere gute Nachricht kommt aus dem Stadtviertel gleich nebenan. Da hat ein Café eröffnet, in das man sein Fahrrad mitnehmen darf. Gibt’s in Berlin jede Menge? Ja, aber hier eben nicht, weil kaum ein Mensch Fahrrad fährt, und woran das liegt, ist eine lange, traurige Geschichte. Wie das neue „La Bicicleta Cycling Café and Workplace“ überleben will, ist uns zwar ein Rätsel, aber die Richtung stimmt schon mal, und in Zeiten wie diesen können wir jede Stärkung gebrauchen.

          Dienste am Investor

          Es sieht nämlich so aus, als wolle Spanien die Fehler, die es in die tiefste Wirtschaftskrise der demokratischen Geschichte gestürzt haben - Gier, Korruption und ein eklatanter Mangel an Ziviltugenden -, wiederholen, um sich aus dem Sumpf zu ziehen. Die Rede ist von dem Spielcasino-Komplex mit dem Beinamen „Eurovegas“, den der amerikanische Magnat Sheldon Adelson in den nächsten zwölf Jahren außerhalb der spanischen Hauptstadt bauen will.

          Die ersten sechs Milliarden der Investitionssumme sollen schon Ende 2013 fließen, und dann soll es mit dem neuen Las Vegas bis 2025 so weitergehen - Casinos, Hotels, Bars, Restaurants, mehr als 70000 Arbeitsplätze, und alles zu Konditionen, die vorgestern noch außerhalb der Legalität gewesen wären. Die Jugendschutzbestimmungen stören den alten Herrn? Das lässt sich schmirgeln. Er will richtige Wolkenkratzer sehen wie zu Hause? Da setzt die Region Madrid doch gern die Baubestimmungen außer Kraft. Er mag keine Gewerkschaften? Sie sollen kein Problem sein, verspricht man ihm. Ihn schrecken 45 Prozent Unternehmenssteuern? Lässt sich doch auch mit zehn Prozent regeln.

          Wo immer Adelson sein Projekt abrunden will, rollt sich die Madrider Regionalregierung auf den Rücken, lässt sich den Bauch kraulen und stößt ergebene Seufzer aus. Die Gesetzgebung à la carte zeigt den Bürgern, dass alles käuflich ist.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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