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Smartes Wohnen in New York : Das Haus, das weiß, was du wollen wirst

Die Hudson Yards im Westen Manhattans werden die Skyline dominieren. Und möglicherweise auch ihre Bewohner Bild: interTOPICS

Big Data im Wohnzimmer: In New York entsteht der größte neue Immobilienkomplex Amerikas. Die Wohnungen in den Wolkenkratzern werden dank Sensoren ihre Bewohner bald besser kennen als die sich selbst.

          Man wird die Freiheitsstatue von hier oben sehen, ganz klein, als Strich im Dunst, Jersey City, Staten Island, dahinter das Meer, und Manhattan wird von dort oben klein wirken: Allein die Dachterrasse, auf der die Bewohner dieses achtzig Etagen hohen Turms stehen werden, liegt auf einer Höhe von 324 Metern - das ist so, als wenn man ganz oben auf der Spitze des Eiffelturms säße.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Und über der Terrasse, die wie ein Tablett aus dem Wolkenkratzer in den Himmel von Manhattan ragt, geht es noch weiter hinauf: 374 Meter hoch wird der im Bau befindliche Wohnturm sein, den die Architekten Kohn, Pedersen und Fox gerade auf dem Gelände der Hudson Yards am gleichnamigen Fluss in Manhattan errichten.

          Der Wolkenkratzer ist Teil des größten Immobilienprojekts der Stadt: Die fünfzehn Milliarden Dollar teuren „Hudson Yards“ werden eine kleine Stadt aus siebzehn Bauten mit Wohnungen, Büros und einem Shopping Center sein, eine Stadt in der Stadt mit insgesamt 1,6 Millionen Quadratmeter Nutz- und Wohnfläche.

          Neben dem Wohnturm wird es noch einen 273 Meter hohen Büroturm, einen 277 Meter hohen Wohnturm von Diller Scofidio + Renfro und David Rockwell mit 326 Wohneinheiten geben und einen 305 Meter hohen Wohn- und Hotelturm von David Childs, mit einem Fitness Club, der sich über drei Stockwerke erstreckt; „The Hudson Spire“ soll dann mit 549 Metern das höchste Gebäude der Stadt werden.

          Architektur der Überwachung

          Wer hier wohnen wird, ist ganz oben, verspricht die Werbung - und offenbar ist das Hochhaus immer noch ein wirkungsvoller Metaphernlieferant für Macht. Im achtzehnten Jahrhundert war man vielleicht, wie beim Rennen, „vorn“, aber nicht oben: Wer in Versailles ganz oben war, saß auf dem Dach, aber nicht beim König.

          Oben sein war im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert etwas für romantische Aussteiger und Gesellschaftsverweigerer: „Auf die Berge will ich steigen / lachend auf Euch niederschauen“, heißt es bei Heinrich Heine.

          Erst das Hochhaus hat die Metapher für gesellschaftlichen Erfolg sinnfällig gemacht: Wer Erfolg hatte wie Walter P. Chrysler, der Automagnat, ließ sich Ende der zwanziger Jahre eines der höchsten Häuser in Manhattan bauen.

          Im Hochhaus saß der Chef oben, und die Position war auch eine souveräne Kontrollgeste - der Wirtschaftskapitän steht ganz oben auf der Brücke, sieht am Horizont Stürme aufziehen und kann rechtzeitig weise Entscheidungen treffen; nicht umsonst gibt es die Rede vom „unternehmerischen Weitblick“. Auch die neuen Türme von Manhattan sind eine Architektur der Überwachung - nur dass sich hier fragt, wer wen kontrolliert.

          Bewohner auf dem Tablett: Innenansicht der Luxusimmobilie mit Terrasse Bilderstrecke

          Hudson Yards ist eine Architektur, die auf Sicherheit setzt: Der Komplex, so die Entwickler, sei eine Festung gegen die Unwägbarkeiten einer Metropole. Das 13,2 Megawatt-Go-Gen-System ermögliche es, sogar bei einem kompletten Stromausfall wie nach Hurrikan „Sandy“ die Versorgung mit Elektrizität aufrechtzuerhalten, die Yards könnten dann eine Fluchtburg auch für die Nachbarn werden.

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