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Simeon Wade über Foucault : Foucault im Death Valley

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Veränderte diese Erfahrung wirklich sein Leben und sein Werk? Michel Foucault mit dem Musiker Michael Stoneman in der Wüste Bild: David Wade

Was passiert, wenn einer der größten Denker der Gegenwart mit LSD, Musik und der kalifornischen Wüste konfrontiert wird? Ein Interview mit Simeon Wade, der Michel Foucault 1975 diesem Experiment aussetzte.

          Der französische Philosoph Michel Foucault (1926–1984) zählt bis heute zu den einflussreichsten und wegweisenden Denkern und Theoretikern der 1960er und 1970er Jahre. Seine Untersuchungen zur Geschichte der wissenschaftlichen Wissenssysteme, der geschichtlichen Dynamik von Machtverhältnissen und der Geschichte der Sexualität haben ganze Forschungsbereiche inspiriert und werden immer noch ausgiebig zitiert und auch gelesen. In den Vereinigten Staaten etwa zählt Foucault zu den dauernden Referenzen des aktuellen Feminismus wie auch der Queer Theory. Darüber hinaus wird er dort ganz allgemein als der Vermittler und Händler der „French Theory“ angesehen, des französischen Denkens, wie es sich von den sechziger bis in die achtziger Jahre in Frankreich entwickelte und das mit Namen wie Jacques Derrida, Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard und Foucault selbst verbunden ist.

          Foucault war seit 1970 immer wieder als Gastprofessor und Vortragsreisender in den Vereinigten Staaten, mit Vorliebe in Kalifornien, tätig. Während eines Seminars, das er 1975 an der University of California in Berkeley gab, luden ihn der Historiker Simeon Wade und dessen Freund, der Musiker Michael Stoneman, zu einem Kurztrip ins Death Valley ein – und Foucault stimmte zu. Wade, der am vergangenen Dienstag gestorben ist, war einer der ersten Foucaultianer in Amerika; 1970 in Harvard promoviert, ist er seit 1972 als akademischer Lehrer in Kalifornien tätig gewesen. Die Geschichte der kurzen Wüstenreise liefert möglicherweise eine Erklärung für einen Bruch zwischen Foucaults erstem Band der Geschichte der Sexualität und den Folgebänden. In der Forschung sind die Gründe dieses Bruchs umstritten und auch, ob es sich überhaupt um eine einschneidende Veränderung im Denken Foucaults handelt. Das Interview über die Reise hat Heather Dundas für das kalifornische „Boom Online Magazin“ am 27. Mai dieses Jahres mit Wade geführt.

          Wie sind Sie mit Michel Foucault ins Death Valley gekommen?

          Es war ein Experiment. Ich wollte sehen, wie einer der größten Denker in der Geschichte mit einer Erfahrung umgeht, die er nie zuvor gemacht hatte: in dieser prächtigen Wüstenlandschaft eine angemessene Dosis klinisches LSD einzunehmen und sich gleichzeitig verschiedenen Formen von Entertainment auszusetzen. Wir waren zwei Tage und eine Nacht im Death Valley.

          Hatten Foucault und Stoneman das LSD schon genommen, als das Foto entstand, und war es im Juni nicht furchtbar heiß im Death Valley?

          Ja, wir hatten es schon genommen, und es war sehr heiß. Gegen Abend kühlte es aber ab. Wir gingen zum Zabriskie Point, um die Venus aufgehen zu sehen. Michael stellte Lautsprecher um uns herum auf. Außer uns war niemand da, und wir hörten Elisabeth Schwarzkopf Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ singen. Ich sah Tränen in Foucaults Augen. Wir legten uns auf dem Rücken in eine der Mulden und sahen die Venus kommen und später die Sterne. Wir blieben zehn Stunden am Zabriskie Point. Michael spielte noch Charles Ives’ „Three Places in New England“, Stockhausens „Kontakte“ und einiges von Chopin... Foucault hatte eine tiefe Beziehung zur Musik, Pierre Boulez war einer seiner Studienfreunde.

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