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Kolumne „Silicon Demokratie“ Warum Cyberwaffen die Welt sicherer machen

Für die meisten Staaten erfordern sie schlichtweg zu viel Geld, Zeit und Geheimhaltungsaufwand: Cyberwaffen können Konflikte entschärfen und die Welt sicherer machen.

© dpa Überschätzte Cyberwaffe? Ausschnitt des Quellcodes des Computer-Schädlings „Flame“

Sollten wir Angst vor Cyberkriegen haben? Nach den dramatischen Schlagzeilen der letzten Zeit zu urteilen, müsste man annehmen: ganz sicher. Immerhin kann Cyberkriegsführung leicht einen Krieg auslösen und folglich wahrscheinlicher machen. Warum? Erstens: Cyberkriegsführung ist asymmetrisch. Da Cyberangriffe bei geringen Kosten ein großes Zerstörungspotential haben, könnte das schwache Staaten dazu verleiten, Konflikte mit stärkeren Staaten zu suchen - ebenjene Konflikte, die man früher vermieden hätte. Zweitens: Da Cyberangriffe nur schwer nachzuweisen sind, können Akteure, weil ein sofortiger Vergeltungsschlag nicht zu befürchten ist, aggressiver vorgehen als sonst. Drittens: Da man sich nur sehr schwer vor Cyberangriffen schützen kann, dürften die meisten rationalen Staaten einen Erstangriff vorziehen. Und viertens: Da Cyberwaffen von Geheimhaltung und Ungewissheit umgeben sind, sind Waffenkontrollvereinbarungen kaum durchzusetzen. Mit anderen Worten: Mehr Cyberangriffe bedeuten mehr Krieg.

Nun mal langsam, warnt Adam Liff in einem überaus provokativen Artikel, der jüngst im „Journal of Strategic Studies“ erschienen ist. Die Annahme, dass der Cyberkriegsführung eine Logik innewohne, eine Teleologie, die in jedem Fall zu mehr Konflikten führe, sei kurzsichtig und lasse militärstrategische und politische Realitäten außer Acht. Statt unserer Cyberpolitik phantastische Szenarien aus drittklassigen Science-Fiction-Thrillern zugrunde zu legen, sollten wir über solche Cyberwaffen diskutieren, wie sie von realen Akteuren verwendet werden, die reale Interessen verfolgen und einen realen Preis bezahlen müssen, wenn etwas schiefgeht.

Nichts für schwache Akteure

Die Warnungen aus dem cyberindustriellen Komplex, namentlich von Richard Clarke mit seinem Bestseller „Cyber War“, hält Liff für völlig unbegründet. Anhand diverser Szenarien macht er deutlich, dass Cybertechnologie sogar zu einer Entschärfung von Konflikten führen kann. Ganz recht: Cyberwaffen werden letztlich zum Weltfrieden beitragen. Hippies aller Länder, vereinigt euch - und lernt, wie man Cyberangriffe führt!

Das ist eine kühne These, und Liff scheut sich nicht, die üblichen Cyberkrieg-Weisheiten auseinanderzunehmen. Cyberkriegführung mag asymmetrisch sein, aber es sei ein Mythos, dass hochentwickelte Cyberwaffen billig und leicht verfügbar sind. Ihre Entwicklung erfordert viel Geld, viel Zeit und einen hohen Geheimhaltungsaufwand. Schwache Akteure seien letztlich nicht imstande, Angriffe zu führen, welche die Infrastruktur gutgeschützter Systeme schädigen könnten. Aber selbst wenn, würden sie auf Cyberattacken vermutlich eher verzichten. Für schwächere Staaten sind solche Angriffe nur sinnvoll, wenn sie ihrer digitalen Macht mit konventionellen Waffen Nachdruck verleihen können. Andernfalls müssten sie mit einem vernichtenden militärischen Vergeltungsschlag des stärkeren Staates rechnen. Deshalb dürften Somalia oder Tadschikistan vermutlich nicht so bald einen Cyberangriff gegen die Vereinigten Staaten führen. Welchen Schaden sie auch anrichten könnten, die Amerikaner würden sofort mit konventionellen Waffen massiv zurückschlagen.

Bessere Verhandlungspositionen

Auch sind die Folgen eines Cyberangriffs nicht präzise abzuschätzen. Selbst so hochentwickelte Staaten wie Amerika können die Erfolgschancen eines Cyberangriffs nicht unbedingt vorhersagen. Das Risiko ist groß, dass man sich selbst schädigt, wenn bei einem Cyberangriff gewisse lukrative Objekte, etwa die Finanzinfrastruktur eines Feindes, versehentlich ausgeschaltet werden. Derartige Unsicherheiten sind die allerbeste Abschreckung.

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Veröffentlicht: 05.06.2012, 10:19 Uhr

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