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Kolumne Silicon Demokratie : Der Preis einer Person

  • -Aktualisiert am

Wir nutzen Kartendienste, Bezahlsysteme und Apps- Die Privatwirtschaft sammelt- und handelt mit unseren Daten. Bild: dpa

Intime Daten werden zur Ware und der Mensch, der sie freigibt, zum interaktiven Werbeträger. Dabei geben wir immer mehr unsere Entscheidungshoheit ab.

          „Kauf mich“ lautet das Angebot auf der Website des niederländischen Studenten Shawn Buckles. Buckles versteigert seine intimsten Daten, E-Mails und Online-Chats, Browserverlauf, Bewegungsprofile, Bahnfahrten, Terminkalender. Die Auktion endete unlängst, der Meistbietende erhielt sämtliche private Daten, die Buckles in den nächsten zwölf Monaten produziert. Buckles ist kein Unternehmer. Er will nur unser Bewusstsein dafür schärfen, wie viele Daten wir dem Staat und der Privatwirtschaft schon jetzt überlassen. Seine Aktion berührt aber auch eine prinzipielle Frage: Dürfen wir unsere privatesten Daten verkaufen? Oder sollte das erschwert, wenn nicht gar verboten werden?

          Buckles steht nicht allein da. Federico Zannier aus Brooklyn ging mit einem ähnlichen Experiment zu Kickstarter. Für zwei Dollar sollte man sämtliche Daten eines Tages bekommen (rund siebzig Websites, fünfhundert Screenshots, fünfhundert Webcam-Bilder), für zweihundert Dollar würde man fünfzigtausend Dokumente erhalten, die sich über mehrere Monate hinweg angesammelt haben. Buckles und Zannier stehen für einen Trend, der von Zukunftsforschern beim Davoser Weltwirtschaftsforum 2011 so beschrieben wurde: Unsere persönlichen Daten verwandeln sich in Vermögenswerte.

          Daten zur Heilung

          Befürworter von Datenwirtschaft sagen, dass wir Google und Facebook unsere Daten nicht kostenlos überlassen sollten. Das ist ein vernünftiges Argument. Nur weil unsere Daten einen ökonomischen Wert haben, folgt daraus aber noch lange nicht, dass wir mit ihnen handeln und auch nicht dazu ermuntert werden sollten. Mit anderen Worten: Das Projekt, unsere Daten aus der Verfügungsgewalt der IT-Giganten zu befreien, muss nicht bedeuten, sie als Ware zu betrachten. Es gibt auch andere Nutzungsmöglichkeiten.

          Was spräche beispielsweise dagegen, seine Gesundheitsdaten einer Universität oder einem Krankenhaus für Forschungszwecke zu überlassen? Im Idealfall würde man sich dabei von humanitären Beweggründen leiten lassen, aber es wären auch Ausnahmen denkbar, wenn Zeit eine Rolle spielt und Geld den Ausschlag gibt. Für Datennutzung zu bezahlen ist nicht prinzipiell schlecht. Die Schattenseite zeigt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt.

          Noch sind sie nicht allwissend

          Wenn wir unsere Daten sozialen Forschungseinrichtungen zur Verfügung stellen, gehen wir nicht davon aus, dass das unser Leben groß verändert. Bei Daten, die wir der Privatwirtschaft zur Verfügung stellen, sieht das schon ganz anders aus. Das Material ist vielseitig verwendbar und kann sofort zu spürbaren Veränderungen in unserem Leben führen. Unser Smartphone meldet unseren Standort - schon erhalten wir punktgenaue Werbung. Wir suchen im Internet nach Vitamintabletten - schon werden wir mit Werbung für Diätprodukte bombardiert. Wenn wir bestimmte Dinge im Internet suchen, ziehen Unternehmen daraus Schlüsse über unsere Gesundheit oder über mögliche Pläne.

          Die meisten persönlichen Daten bieten die Möglichkeit, Einfluss auf unser Leben zu nehmen. Durch die unmittelbare, enge Verknüpfung mit alltäglichen kommerziellen Anbietern (Restaurants, Reiseveranstalter, Geschäfte) werden nicht nur unsere Kaufentscheidungen geprägt (Coke oder Pepsi), sondern auch die Überlegungen und Bedürfnisse, die darüber entscheiden, was wir als Nächstes tun wollen. Mein Smartphone registriert, dass ich möglicherweise Durst habe, präsentiert mir eine Werbeanzeige, und sofort werde ich furchtbar durstig - aber bin ich es wirklich? Da diese kommerziellen Anbieter (noch) nicht allwissend sind, können sie unsere Entscheidungen nicht durchgängig beeinflussen. Aber wie lange wird ihre Unwissenheit noch dauern?

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