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„Shared heritage“ : Geteiltes Erbe ist doppeltes Erbe

  • -Aktualisiert am

Die neuen Landsleute wurden einst im Zoo ausgestellt. Höchste Zeit also für einen offenen Umgang auf Augenhöhe. Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Wir verwalten die Kulturgüter der Menschheit gemeinsam. Also sollten wir auch die Nationen an ihnen teilhaben lassen, die wir einst als Kolonien unterwarfen.

          Wer in das Tourismusbüro des Majuro-Atolls kommt, erhält eine Broschüre mit dem Titel „Germans in the Marshall Islands“. Auf dem Deckblatt sind die Dienstflagge des deutschen Reichskolonialamts und eine Briefmarke der kaiserlichen Yacht „S.M.S. Hohenzollern“ abgebildet. Im Heft wird das einzige noch intakte Holzgebäude der deutschen Kolonialzeit als Sehenswürdigkeit angepriesen. Von der anderen Seite Mikronesiens, aus Palau, stammt aber auch ein traditionelles Männerhaus von 1905, das Teil des Ethnologischen Museums in Berlin und bald im Humboldt-Forum zu sehen ist. Weil das Männerhaus in die Jahre gekommen ist, gibt es das Angebot aus dem Inselstaat, das Dach mit alten Handwerkstechniken neu decken zu lassen.

          Der Umgang mit dem Männerhaus von Palau ist ein gutes Beispiel für shared heritage. Gemeint sind damit Teilhabe, Mitwirkung und Mitverantwortung. Dies gilt auch für die Arbeit des chinesischen Künstlers und Architekten Wang Shu, der im Humboldt-Forum einen gewaltigen Saal zur Präsentation chinesischer Hofkunst gestaltet. Kulturgüter tragen etwas Verbindendes in sich, das aktiviert werden muss, um seine Wirkung zu entfalten. Die Formen der Aktivierung sind dabei vielfältig und auch abhängig von der Art der Kulturgüter und den jeweiligen historischen, aber auch politischen Kontexten. Im Zentrum von shared heritage steht der Gedanke, dass das kulturelle Erbe von den Museen lediglich verwahrt wird, grundsätzlich aber als Besitz der ganzen Menschheit gilt. Gelten kann dieser Grundsatz jedoch nur unter der Voraussetzung legalen Erwerbs. Shared heritage ist damit in gewisser Weise ein postnationales Programm, das jedoch auch eine entsprechende Geisteshaltung bei allen Beteiligten voraussetzt.

          Ein gemeinsamer Weg zum Umgang mit Geschichte

          Szenenwechsel, Tausende Kilometer südwestlich von Palau: Tansania, ehemals Deutsch-Ostafrika. Wer hierherkommt und sich als Berliner Museumsmann zu erkennen gibt, ist unmittelbar konfrontiert mit einem der blutigsten Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte. Der Maji-Maji-Aufstand von 1905 bis 1907, der von deutschen Kolonialtruppen brutal niedergeschlagen wurde und Tausende das Leben kostete, ist kein Thema nur für die Geschichtsbücher, sondern auch für eine lebendige Auseinandersetzung. Das Zauberwort shared heritage verfängt hier nicht sofort; denn es geht um Kriegsbeute und Kolonialismus, um Unrecht und antikolonialen Widerstand. Und trotzdem geht es auch hier darum, einen gemeinsamen Weg zum Umgang mit dieser Geschichte zu finden. Deshalb wollen wir den Maji-Maji-Aufstand mit Wissenschaftlern aus Tansania aufarbeiten und im Humboldt-Forum erzählen. Dieser Weg mag mühsam, dornig und auch nicht risikofrei sein; aber für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihre Staatlichen Museen ist er zwingend.

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