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Sex korrekt Mancher mag’s lau

 ·  Eine Plakatserie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung übt sich seit geraumer Zeit sehr brav in politischer Korrektheit in Sachen Sex.

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Aufklärung über die Gefahren einer Infektion mit dem Aids-Virus muss sein, keine Frage. Und unter den öffentlichen Kampagnen der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“, die den Gebrauch von Kondomen nahelegten, waren ja auch ein paar ganz witzige. Nun aber blicken uns schon seit längerer Zeit auf den Straßen Frauen und Männer an, um uns sehr brav wissen zu lassen, was in der Sprache ihrer Marketing-Schöpfer wohl als Ausdruck „geheimer Wünsche“ gelten muss.

Da stehen wir also vor einem tätowierten Muskelmann im Tankshirt, der uns mitteilt, dass er’s zärtlich möchte. Die soignierte ältere Dame will’s lustvoll, ihr junges Pendant mit Piercing und Jeans bekennt ihre Vorliebe fürs Romantische, eine eher unauffällige Dame will’s spontan, und vergessen ist auch nicht ein biegsamer Jüngling, der schon herausgefunden hat, dass er es hintenherum bevorzugt.

Was in rauen Männern wohnt

Die Plakate verstehen sich zwar als Bestandteil einer Kampagne für den Gebrauch von Kondomen. Doch dazu muss man schon genauer hinsehen. Unübersehbar dagegen sind sie ein Versuch in demonstrativer politischer Korrektheit in Sachen Sex. Bedenke wohl, bedeuten sie dem Betrachter, auch ältere Frauen sind sexuelle Wesen. Bedenke gleichfalls, auch rauhe Männer haben zarte Sehnsüchte. Lass nicht außer Acht, dass hinter grellem Outfit alte Träume wohnen. Und ja, schnell geht’s manchmal auch.

Hätte man sich ja alles absolut nicht gedacht. Die als Widerlager der versuchten Bildpointen gebrauchte Unterstellung ist, der Betrachter würde aus Outfit und Alter seiner Zeitgenossen auf deren sexuell-sentimentale Präferenzen schließen wollen. Wozu man freilich, sagen wir’s deutlich, ein bisschen sehr naiv sein müsste. Übrigens schon dann, wenn man überhaupt - abseits eigener Vorlieben - sich den Kopf darüber zerbräche.

Besser doch Gemüse

Das Geschlechtsleben wird sich schon durchsetzen, ausmalen möchte man es sich deshalb nicht. Es genügt schon, die Zeitgenossen dauernd telefonieren zu hören. Was sie dann mit dem Gegenstand ihres Interesses treiben, dem sie meist nichts zu sagen haben, das aber laut, fällt - wir rufen Karl Kraus an - unter Nervensachen. Mit anderen Worten: Wir hätten lieber wieder Gemüse auf den Plakaten der Bundeszentrale!

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10.01.2013, 17:10 Uhr

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Unsere Geschichten, nur anders erzählt

Von Andreas Platthaus

Mit Kafka teilte er die Einfühlung in das Schicksal der Bedrängten. Das Erfolgsrezept seiner Bücher könnte den Titel eines Aufsatzes tragen, den er 1993 veröffentlicht hat. Zum Tod von Gabriel García Márquez. Mehr 1 2