31.08.2012 · Um Erwin Panofskys verschollenes Manuskript rankten sich Legenden. 1934 verließ der jüdische Kunsthistoriker Deutschland. Jetzt wurde seine Schrift gefunden - in einem ehemaligen Panzerschrank der NSDAP.
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Der Fund ist auch eine Verpflichtung!
Nachdem sich Freude und Aufregung um den unerwarteten Fund gelegt haben, sollte man sich jetzt Gedanken machen, wie man den berechtigten Wunsch der interessierten Öffentlichkeit nach einer möglichst zügigen und zugleich gründlichen Edition des Werks in einem renommierten Fachverlag unterstützen kann. Wenn das Typoskript der Habilitation noch umfangreiche handschriftliche Einträge aufweist, dürfte das keine ganz leichte Arbeit sein. Auch sollte man bei der Bebilderung des Textes nicht knausern. Frau Panofsky, die die Aufgabe des Herausgebens selbst übernehmen möchte, hat offensichtlich noch ein anderes Großprojekt in Arbeit und sollte sich der Mitarbeit kompetenter Dritter versichern, um die enorme Herausforderung zu meistern.
Aber was hat das alles mit NSDAP zu tun?
Ich verstehe aus dem Artikel das gar nicht. Das war doch der Panzerschrank von Heydenreich in seinem Keller. Dann landete das Manuskript im Nachlass H.s im kunsthist. Institut München. Wo war NSDAP? Oder, weil H. NSDAP "nahe stand", heißt es darum "Panzerschrank der NSDAP"?
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.09.2012 10:31 UhrDie Vorgeschichte des Zentralinstitus für Kunstgeschichte liefert die Erklärung - NSDAP
Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI)wurde 1946
gegründet und nahm 1947 seine Tätigkeit auf. Es hat seither
seinen Sitz im ehemaligen NSDAP-Verwaltungsgebäude, dem heutigen
Haus der Kulturinstitute. In dem Gebäude am Königsplatz wurde
nach Kriegsende von der amerikanischen Militärregierung eine
Sammelstelle für die Rückführung der von den
Nationalsozialisten erbeuteten Kunstwerke eingerichtet, in dessen
Zusammenhang das Zentralinstitut stand. Heydenreich war der erste Leiter
des ZI.
Heydenreich war zuvor der Nachfolger von Panofsky an der Uni Hamburg und
nur so erklärt sich der Weg der Habil. von Hamburg nach
München, so Teil der Unterlagen des Nachlasses von Heydenreich
geworden. Panofsky verließ Hamburg nach seiner Entlassung, ohne
zuvor die Uni - seine Räume- wieder betreten zu haben ! Alles
schlüssig für mich wiedergegeben in den abgedruckten Artikeln
ind FAZ. Danke noch einmal für die umfassende Abhandlung Frau Julia Voss.
Ich möchte gerne ein paar Gedanken äußern, die mir nach
der Lektüre des durchaus sehr interessanten Artikels durch den Kopf gehen.
- Wollte Erwin Panowsky denn überhaupt wieder in Besitz des
Manuskripts seiner Habilitationsschrift gelangen?
- Wenn ja, wusste Heydenreich davon?
- Wünschte Panofsky überhaupt eine Veröffentlichung des
Manuskripts (vgl. a. Bilder 7-9) oder seiner endgültigen
Habil-Schrift, bzw. hätte er sie gewollt?
- Vielleicht wollte Heydenreich den Wusch Panofskys achten, die Zeit vor
seiner Emigration für immer abzuschließen?
- Wusste Heydenreich, dass Gerda Panofsky die Schrift sucht? Hat Gerda
Panofsky sich jemals bei Heydenreich erkundigt? Sie suchte doch in
Hamburg, nicht in München?
- Wusste Heydenreich von dem Verbleib des Manuskripts?
Es gäbe noch mehr Fragen, doch die Zeichenbegrenzung.
Kurzum: Warum ist sich die Autorin so sicher, dass Heydenreich die
Panofskys bzgl. der Existenz des Manuskripts belogen hat, dass er sich
diesbzgl. unredlich verhielt?
danke für dieses wohlformulierte Stück!
Den Bock zum Gärtner im Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte gemacht.
Scheint in der BRD so Tradition geworden zu sein. Glaubwürdige Aufarbeitung, nein. Entschädigung, wenn ja dann minimal und nur nach Jahrzehnten. Das Wichtigste, man tut der alten Garde nicht weh und sie kann noch ihre Schätze in Sicherheit bringen. So lernte ich es auch nach 1989 kennen.
... dass Erwin P. also die Interpretation von Kunst aus Ihrer Zeit heraus befürwortete. Vielleicht sollte man auch bei Personen der Zeitgeschichte allgemein und Ps Zeitgenossen im Speziellen dazu übergehen, das zu tun. Wo genau ist denn nun der Beleg, dass Heidenreich die Arbeit wissentlich und vorsätzlich versteckt hatte. Oder handelt es sich im Tresor um die Privatsammlung Heidenreichs? Wirklich sehr mysterioes das Ganze...
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.08.2012 21:04 UhrMysteriös
in der Tat. Ich habe mir den Artikel auf Ihren Einwand hin noch einmal
durchgelesen und finde -außer Vermutungen - ebenfalls keine
Belege.
Automatisch vermutet man ja im Wissenschaftsbetrieb so einiges
Übel, was die gegenseitigen Rivalitäten angeht, aber
eigentlich deutet doch nichts an dieser Geschichte auf solche
Machenschaften hin. Für mich sind die Anschuldigungen erst einmal
unlogisch - bis zum Beweis des Gegenteils.
... schon erstaunlich, dass man Jahrzehnte braucht, um das eigene Haus
zu erkunden, zumal bei Kulturwissenschaftlern doch an sich ein etwas
anderes Ethos beim Umgang mit dem Gegenstand der eigenen Betrachtung
verkündet wird, aber man schaut halt lieber bei anderen genau hin...
Texte von Erwin Panofsky - zumal dieser Entstehungs- und
Reflexionshöhe - wie krank, schuldverstrickt und ehrgeizzerfressen
muss man sein, um sie in einem Tresor einzuschließen und dem
Verfasser nichts davon zu sagen? Zu Recht wird dieser Mensch vergessen
sein oder ist es quasi schon heute.
Ein Lehrbeispiel für die Konzentration kranker Seelen im Institutsbetrieb.
... sieht mir aber eher nach einem Holzregal aus ...
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.08.2012 23:12 Uhrtürscharniere oben im bild
sehen sie die fetten türscharniere am oberen bildrand ? wofür bräuchte die wohl ein regal ? mfg
Irrtum, es ist ein Tresor der Fa. Franz Leicher. Seit 1870 gibt es Tresore Franz Leicher, München.
Dies sieht man auf dem Foto vom ZI für Kunstgeschichte eindeutig, aber nur wenn man die FAZ im Original in der Hand hat. Bei faz-net ist die Aufnahme nicht vollständig wiedergegeben.