16.12.2004 · ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat Pläne der ARD, die „Tagesthemen“ von 22.30 auf 22.15 Uhr vorzuziehen, als „Kampfprogrammierung“ bezeichnet. Erinnerungen an den „Jodelkrieg“ der beiden Sender werden wach.
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat Pläne der ARD, die „Tagesthemen“ von 22.30 auf 22.15 Uhr vorzuziehen, als „Kampfprogrammierung“ bezeichnet. „Wir haben bei der ARD einen Stimmungsumschwung festgestellt, der in die Richtung geht: Wenn es irgendwann nur noch einen geben soll, dann muß es die ARD sein“, sagte Bellut der an diesem Donnerstag.
ARD-Programmdirektor Günter Struve wies die Vorwürfe zurück.Bellut bemängelte bei der ARD, daß sich beispielsweise die auf eine halbe Stunde reduzierten politischen Magazine künftig um 21.45 Uhr direkt mit dem „heute journal“ im ZDF messen würden. „Bei aller Konkurrenz sollten wir nicht gegeneinander arbeiten - das gilt auch für den Wettbewerb um die jüngeren Zuschauer, von denen wir beide nicht viele haben.“ Bellut erinnerte auch an den so genannten „Jodelkrieg“, als ARD und ZDF gegeneinander Volksmusik programmierten, und an den Streit um den Kultursender 3sat - das ZDF befürwortet den ARD-Ausstieg, die ARD will sich jedoch nicht zurückziehen.
Struve: seit Jahren Sendeplatz für Informationen
Struve entgegnete, die „Tagesthemen“ auf 22.15 Uhr vorzuziehen, sei eine Überlegung, die über das Jahr 2005 hinausreiche. „Wenn wir uns Gedanken zur Optimierung des Programms machen, dann für die Zuschauer und nicht gegen das ZDF. Und es zeugt schon gar nicht von einer Kampfeslust unsererseits.“ Bellut übersehe bei seiner Kritik und seiner Sorge um das „heute journal“, daß 21.45 Uhr seit Jahren ein Informationstermin im Ersten sei - mit Dokumentationen, politischen Magazinen und dem Wirtschaftsmagazin.
Nach der Ankündigung von Intendant Markus Schächter, 18 Millionen Euro am Programm sparen zu wollen, muß auch Bellut handeln. „Wir werden weiter Kürzungen an den Randzonen des Programms vornehmen“, sagte er. „Zum Beispiel senden wir statt Konzerten jetzt schon am Sonntagvormittag Showwiederholungen. In die Hauptabendzeit werden wir aber stärker investieren.“ Serien würden abgebaut. Zum Beispiel werde es keine Fortsetzung von „Samt und Seide“ und „Papa ist der Boss“ geben. Für den Freitagabend werde jedoch neben „Der Alte“ oder „Ein Fall für zwei“ ein neues Krimiformat entwickelt.
ZDF-Struktur Grund für Zuwächse
Weiter geht es beim ZDF auch mit dem Projekt Telenovela. Nach Auslaufen der auf 200 Folgen angesetzten Serie „Bianca“, die nach lateinamerikanischen Vorbild bei der Produktionsfirma Ufa entsteht, soll im Herbst 2005 ein neues Format anlaufen, vorausgesetzt, die Quoten bleiben stabil. Ob Platz für ein zweites Produkt in diesem Genre ist, möglicherweise auf einem derzeitigen Serien- Wiederholungsplatz gegen 15 Uhr, ist offen. Im Showbereich werde auf „Events“ gesetzt. Thomas Gottschalk soll neben dem „Bibel Test“ eine weitere „Test“-Show moderieren. Franz Beckenbauers 60. Geburtstag wird im ZDF gefeiert. In der Reihe „Unsere Besten“ folgen 2005 die international herausragenden Erfinder.
Das Jahr 2004 ist laut Bellut für das ZDF gut verlaufen. Unter den großen Programmanbietern sei das ZDF der einzige, der deutliche Zuwächse verzeichnen werde. „Und das liegt nicht nur am Sport, sondern auch an unserer Struktur“, so Bellut.