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Selbstversuch: Paintball mit Profis : Mein Krieg

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Beim Paintball kommen die kleinen Farbkugeln mit bis zu 300 Kilometern in der Stunde angeflogen. Wer da nicht schnell ist, muss wenigstens mutig sein Bild: dpa

Paintball ist ein lustiger Mannschaftssport, bei dem sich alle mit kleinen Farbkugeln beschießen. Unter zweihundert Profis in Tarnuniform kann man allerdings auch herausfinden, ob in einem ein Kämpfer steckt.

          Vor ein paar Jahren fuhr ich mit meinen zwei besten Freunden nach New York. Einer von ihnen wollte ein paar Wochen später heiraten, es war also eine Junggesellenreise, aber keine der Art, dass wir abends in Bars abgehangen hätten, betrunken ins Tattoo-Studio gerannt wären oder uns in einem Table-Dance-Schuppen unglücklich verliebt hätten. Stattdessen gingen wir in den Central Park joggen, besuchten das Museum of Modern Art und sahen Basketball im Madison Square Garden. Wir waren zu diesem Zeitpunkt zwar alle schon Mitte dreißig, im Rückblick scheint es mir aber, als seien damals doch eher drei Pennäler unterwegs gewesen.

          An einem Nachmittag fuhren wir raus nach Coney Island, um den Vergnügungspark anzuschauen, der seit Jahren stillgelegt war und am Strand vor sich hin rostete. Er sah auch tatsächlich aus wie in den Reisezeitschriften, in denen wir uns vorher informiert hatten, was uns erwartet. Neben dem Park standen ein paar Buden auf der Promenade, aufgebaut für Leute, die nicht nur zum Schauen, sondern immer noch zum Vergnügen gekommen waren. Manche verkauften Luftballons, manche Zuckerwatte und manche kleine Münzen zum Selberprägen. Nur eine dieser Buden war anders. Sie stand am Ende der Reihe und über ihrem Tresen hing riesengroß das Schild: „Shoot the Freak!“

          Ein Schuss und ein Treffer

          Der Freak sah aus wie einer dieser Männer, die Hunde abrichten und sich dazu von ihnen beißen lassen. Seine Arme und Beine steckten in einem dicken Stoffpanzer und vor dem Gesicht trug er eine Maske wie der Torwart beim Eishockey. Er saß ein gutes Stück hinter dem Tresen in einem Plastikstuhl, umrahmt von einer Kulisse aus einem ausgebrannten Ölfass, einem Holzverschlag und welken Büschen. Als ich an den Tresen trat, stand er auf, begann wie ein Hampelmann zu springen, und ich sah, dass er voller Farbkleckse war, vor allem an der Stelle zwischen den Beinen. Für fünf Dollar dürfe ich dreimal auf den Freak schießen, sagte sein Kumpel, der mir eine Art Gewehr und drei kleine mit Farbe gefüllte Kugeln reichte. Es war meine erste Begegnung mit Paintball.

          Ich schob das Geld über den Tresen, nahm das Gewehr, legte an, drückte ab und traf den Freak voll auf die Maske. Ein dicker gelber Fleck, direkt zwischen den Augen. Es ging alles so schnell, dass ich nicht mehr auf meine Freunde achtete, von denen ich annahm, dass sie als Nächste schießen würden. Doch als ich mich voller Begeisterung nach ihnen umdrehte, standen sie ein paar Meter von der Bude entfernt und schauten mich sprachlos an. Einen Moment lang versuchte ich noch, sie zu überreden. Dann, es war ein heißer Tag, nahm der Freak hinter mir die Maske ab, und meinen Freunden stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als sie sahen, dass es ein Schwarzer war.

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