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Sechs Monate vor der Wahl : Dunkle Wolken über Teheran

  • -Aktualisiert am

Jede einzelne Dollarnote ein wertvolles Ausstellungsstück, seit der Wechselkurs des Rial in den Keller gerattert ist: Schaufenster einer Wechselstube in Teheran Bild: Imago

Die Sorge um die Zukunft hat in Iran eine neue Dimension erreicht. Wo der Dollarkurs ins Astronomische steigt, lauert Unheil. Temporärer Blick auf eine Situation.

          In diesen Herbsttagen bietet die Vali-Asr-Straße eine der schönsten Ansichten dieser Stadt. Sie ist eine der bekanntesten Straßen von Teheran, beschirmt von alten riesigen Platanen mit ihren orangefarbenen, goldenen und ockerfarbenen Blättern, die beide Seiten der Straße säumen. Das Rascheln des Laubs unter den Füßen, dazu das Plätschern der schmalen Bäche, die zu beiden Seiten der Straße fließen, verstärken den Eindruck dieser Schönheit um einiges.

          Dieser Tage sprechen in Teheran alle vom Dollar, im Omnibus, in der Schlange vor den Wechselstuben, im Wartesaal der Ärzte; überall redet jeder und jede einzig und allein vom Dollar. Amerika ist zwar ein satanisches Land, aber alle Iraner sind in seine Währung vernarrt.

          Die Sorge um die Zukunft hat eine neue Dimension erreicht. Es war nicht immer so, dass die Menschen morgens beim Aufstehen, als wären sie einem allgemeinen Wahn verfallen, einander nach dem Tageskurs des Dollar gefragt hätten. Nein, einzig seit vierunddreißig Jahren ist dies der Fall.

          „Wie hoch steht der Dollar?“

          Davor war eine solche Frage nicht nötig; sie wurde erst notwendig, als der Wechselkurs von 70 Rial für einen Dollar mehr und mehr anstieg. Der Wert der nationalen Währung Irans nahm innerhalb der vierunddreißig Jahre beständig ab; der Kurs näherte sich in den letzten Tagen der 40000-Rial-Grenze. Ist etwa der exponentiell ansteigende Dollarpreis die hässliche Seele eines Ereignisses, das in der Zukunft auf uns lauert?

          Einige Zeitungen berichten über den beständigen Wandel, ja über den monatlich, wöchentlich, sogar täglich sich wandelnden Wert des Rial gegenüber den ausländischen Währungen. Andere Zeitungen verkünden die frohe Botschaft eines festen Wechselkurses sowie der Beruhigung des Marktes. Ausgerechnet zu einer Zeit, zu welcher der Staat den An- und Verkauf von Währungen außerhalb des Bankensystems für verboten erklärt, findet sich keine Bank für Wechselgeschäfte, weil die nötigen Devisen fehlen.

          Gerichtliche Quellen reden von Unruhestiftern am Währungsmarkt und berichten, sechzehn seien festgenommen worden. Andere Quellen beziffern diese Zahl mit zweiundzwanzig. Solche Nachrichten ändern nichts an der Sache, denn sobald sich die Menschen treffen, wiederholen sie ihre verfluchte Frage: Und wie hoch steht der Dollarkurs heute?

          Verdichtete Sorgen

          Niemand kennt die richtige Antwort darauf. Man sollte die Geldwechsler fragen, in den Straßenwinkeln dunkler Gassen, in den Lagerräumen verlassener Bauwerke und in den Hinterzimmern von Wechselstuben mit leeren Schaufenstern. Der Staatspräsident bringt die Krise sowohl mit seinen politischen Kontrahenten als auch mit dem internationalen Boykott in Verbindung; andere sagen, die Boykottmaßnahmen hätten keinerlei Einfluss auf den Währungsmarkt gehabt, während eine bemerkenswerte Anzahl von Parlamentariern den Entwurf zu Ahmadineschads Amtsenthebung dem parlamentarischen Aufsichtsrat überreicht hat. Die beispiellose Spannung am Währungsmarkt hat die jüngste Veruntreuung von mehreren Milliarden Dollar durch die Banken vergessen lassen.

          Einige Wechselstuben schließen, andere erhalten die Lizenz, dem An- und Verkauf von Währungen zu offiziell erlassenen Kursen nachzugehen, doch der Ankaufskurs der Währungen ist so tief, dass niemand bereit ist, Währungen an die Geldwechsler zu verkaufen. Der Verkaufskurs ist hoch, jedoch haben die Geldwechsler keine Währung, die sie zum Verkauf anbieten könnten.

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