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Schwein mit Stern : Darf Roger Waters mit seiner Mauer-Show nach Düsseldorf?

Luft raus: In seinem „The Wall“-Spektakel zeigt Roger Waters ein mit einem Davidsstern bedrucktes, aufgeblasenes Schwein. Die Jüdische Gemeinde ruft zum Boykott der Düsseldorfer Show auf.

          Kunstfreiheit muss es geben. Aber Roger Waters hat es sich selbst zuzuschreiben, dass die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf nun Front gegen ihn macht und durch ihren Gemeindeverwaltungsdirektor Folgendes verbreiten lässt: „Roger Waters ist ein geistiger Brandstifter, für den es in unserer Stadt kein Forum geben darf.“ Die Gemeinde ruft, nachdem sie Wind davon bekommen hat, dass Waters während seiner gerade laufenden „The Wall“-Tournee ein mit einem Davidsstern bedrucktes, aufgeblasenes Schwein zeigt, dazu auf, die Düsseldorfer Show nicht zu besuchen. Verhindern wird sie das Konzert wohl nicht (können).

          Ein Belgier hatte das Schwein fotografiert und das Bild israelischen Zeitungen geschickt; daraufhin wurde Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center aktiv, dem Waters über Facebook einen offenen Brief schrieb, in dem er alle möglichen „Botschaften“ der „Wall“-Show geltend machte. Man muss sich das aber klarmachen: Das wahrscheinlich wirkungsvollste, ausdrücklich gesellschaftskritisch, humanistisch gemeinte Pop-Manifest der siebziger Jahre ist plötzlich opus non gratum in der Düsseldorfer Gemeinde; sein Urheber gilt hier jetzt als Antisemit.

          Meist wird es ohnehin zerstört

          Unerklärlich ist es, auch abgesehen von dem Schwein, aber nicht. Waters ist als energischer Israel-Kritiker und Palästinenser-Fürsprecher bekannt und spielt in Interviews gerne mit dem Feuer, indem er sich mit Hingabe der Frage widmet, wie es wohl ist, im Berliner Olympiastadion aufzutreten und auch dort, neben dem beanstandeten Schwein, Elemente zu zeigen, die man als Ausdruck eines ganz persönlichen Größenwahns abtun könnte. Wer die Frankfurter Aufführung Anfang August gesehen hat, wird jedoch Mühe haben, eine gewisse Nähe zur, man kann es wirklich nicht anders sagen: Reichsparteitag-Ästhetik wegzudiskutieren. Waters trägt dazu noch einen schwarzen Ledermantel mit roter Armbinde und ballert mit einem Maschinengewehr herum. Muss man dazu jubeln und tanzen?

          Verboten ist es (bisher) trotzdem nicht, jedenfalls nicht in einem Land, das es einem Künstler wie Jonathan Meese erlaubt, in aller Öffentlichkeit den Hitler-Gruß zu zeigen. Erstaunlicherweise beruft Waters sich nicht auf die Kunstfreiheit, sondern darauf, dass das Schwein bloß dazu da sei, dass es am Ende vom Publikum kaputtgemacht werde, was meistens auch geschieht. Alles also nicht so gemeint? Tatsache ist: Roger Waters’ opus magnum funktioniert nun wie eine Wagner-Oper. Wollte man alle Inszenierungen mit NS-Anspielungen noch einmal beanstanden, dann hätte man viel zu tun. So ist das mit Kunstwerken, die ein großes Fassungsvermögen für politische Deutungen haben: Sie sind sehr strapazierfähig, beanspruchen aber manchmal zu viel Nachsicht in Fragen des Taktes und des guten Geschmacks. Mehr nicht. Es gibt Zusammenhänge, in denen das schon reicht. Also lieber: Luft raus aus dem Schwein!

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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