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Schweden Nobelpreis-Juror: Der Preis ist „kaputt“

11.10.2005 ·  Unmittelbar vor der Vergabe des Literaturnobelpreises am Donnerstag hat ein Mitglied der Stockholmer Akademie seinen Rücktritt erklärt - aus Ärger über die Preisträgerin des Vorjahres, Elfriede Jelinek.

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Der schwedische Autor Knut Ahnlund (82) hat am Dienstag seine Mitgliedschaft in der Schwedischen Akademie wegen der Vergabe des letztjährigen Literatur-Nobelpreises an die Österreicherin Elfriede Jelinek für beendet erklärt.

Unmittelbar vor der für Donnerstag (11 Uhr) angesetzten Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers schrieb Ahnlund in der Stockholmer Zeitung „Svenska Dagbladet“: „Der Nobelpreis für Elfriede Jelinek hat den Wert der Auszeichnung auf absehbare Zeit zerstört.“ Er sei sich sicher, daß lediglich ein Bruchteil der auf Lebenszeit gewählten 18 Jurymitglieder überhaupt ein Buch von Jelineks „monomaner und eingleisiger“ Autorenschaft mit ihrer „klagenden und lustlosen Gewaltpornografie“ gelesen hätte, schrieb der Schwede. Die Vergabe der Auszeichnung an Jelinek habe „allen fortschrittlichen Kräften irreparablen Schaden“ zugefügt und den Blick auf Literatur als Kunstform durcheinandergebracht. Er betrachte sich gegenüber der Schwedischen Akademie künftig als „Außenstehender“.

Ahnlund hat wegen persönlicher Konflikte mit anderen Akademiemitgliedern seit 1996 nicht mehr an der praktischen Arbeit der Akademie und den Abstimmungen über Nobelpreise teilgenommen. Die nominell 18 Mitglieder der Stockholmer Jury werden jeweils auf Lebenszeit gewählt und können ihr Amt nach dem Selbstverständnis der Akademie auch nicht selbst abgeben.

Der Vorsitzender der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, sagte dazu der schwedischen Nachrichtenagentur TT, der Rücktritt Ahnlunds werde kaum Auswirkungen haben. Ahnlunds Ankündigung sei „eine außergewöhnliche Pseudo-Nachricht“, da der erzürnte Juror seit 1996 nicht an der Arbeit der Jury teilgenommen habe.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP, AFP
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