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Schufa & Facebook Kredit auf Daten

Die Schufa wollte die Nutzung von Informationen aus Social-Media-Netzen wie Facebook, Twitter und Xing erforschen lassen. Der Rückzieher folgte schnell. Aber wo bleibt die Grundsatzdebatte?

© dapd Facebook auf dem Weg zu neuen Geschäftsfeldern?

Die ohnehin nicht eben positiv beleumundete Schufa sah sich dieser Tage unangenehmer Aufmerksamkeit ausgesetzt. Sie wollte vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam erforschen lassen, wie die systematische und flächendeckende Nutzung von Informationen aus Social-Media-Netzen wie Facebook, Twitter und Xing die sogenannte Datenqualität des Bestandes des größten deutschen Lebensdaten-Horters verbessern könnte. Dass das privat finanzierte Uni-Institut nach allseitiger Empörung einen Rückzieher machte, zeugt immerhin von einem Rest an Sensibilität gegenüber der öffentlichen Meinung bei den Verantwortlichen.

Dass die Schufa-Forschung ausgerechnet am HPI stattfinden sollte, passt ins Bild. Dessen Leiter, Prof. Dr. Christoph Meinel, vertritt durchaus nachdrücklich die Ansicht, dass in Zukunft jeder Mensch im Internet eindeutig identifizierbar und damit überwachbar sein sollte - er sich also zukünftig nur noch mit einem amtlich vergebenen Nummernschild im Datenverkehr bewegen darf. Mit der Einführung des neuen Internetstandards IPv6, so die von keinerlei Freiheitsgedanken getrübte Logik, ließe sich dies technisch problemlos umsetzen. Jeder Internetnutzer würde seine IPv6-Adressen, die nötig sind, damit etwa Computer oder Telefon im Netz erreichbar sind, nur gegen Vorlage eines Personaldokuments fest zugeteilt bekommen.

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In dieser schönen neuen Welt der universellen Identifizierbarkeit wären dann laut Meinel - im Nebenjob Vorsitzender des an der Uni Potsdam gegründeten Deutschen IPv6-Rats - alle Sicherheitsprobleme verschwunden. Dank der Rückverfolgbarkeit sämtlicher Daten könnte die Industrie noch viel tollere und treffgenauer zugeschnittene Angebote unterbreiten. Dass Kriminelle und staatliche Cyberkrieger immer Wege finden werden, sich um eine etwaige Identifizierungspflicht herumzumogeln, ficht die Vision des industriebezahlten Professors nicht an.

Die „wissenschaftliche“ Logik der nun aufgekündigten Schufa-Zusammenarbeit funktionierte auf ähnliche Weise. Mehr Informationen über das Individuum anzuhäufen, es „besser zu verstehen“, ist in dieser Denkart per se erstrebenswert. Risiken und Nebenwirkungen werden mit der angeblichen „Ergebnisoffenheit“ der Forschung pariert.

Geheimnisvoll berechneter Scoring-Wert

Die Schufa ist schon jetzt der Datenhorter mit dem größten Einfluss auf das Alltagsleben der Deutschen. Rechtlich gesehen verschaffen weitreichende Privilegien im Datenschutzgesetz der Schufa und ihren Konkurrenten eine legale Basis: Kommerziell Daten über Menschen zu horten, zu handeln und zu scoren ist nur anrüchig, aber nicht illegal. Mit der Rechtfertigung, dass die Wirtschaft in der Lage sein müsse, die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu beurteilen, wird eine Vielzahl von Datenpunkten erfasst und geheimnisvoll zu einem sogenannten Scoring-Wert zusammengerechnet, der auch darüber entscheidet, ob man einen Mietvertrag, eine Lebensversicherung, einen Telefonanschluss oder Autokredit bekommt.

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