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Schröder im „Figaro“ Madame Doris

Früher war alles besser: Im Gespräch mit der französischen Zeitung „Le Figaro“ beklagt Altkanzler Schröder das heutige deutsch-französische Verhältnis. Und erzählt von Chiracs Sympathie für seine Frau.

Auch zwischen Chirac und ihm habe es am Anfang nicht gefunkt, bekennt Gerhard Schröder in einem Interview mit dem „Figaro“. Der Altkanzler ist beim konservativen Pariser Blatt ein gerngesehener Gast. Die späte Liebe geht auf Sarkozys Wahlkampagne zurück. Als nicht ganz unfreiwilliger Wahlhelfer hörte er sich gern das Lob seiner Reformen an. Er hatte für seine Agenda ja auch einen hohen Preis bezahlen müssen.

„Die Wiederwahl darf nicht das einzige Ziel des politischen Handelns sein“, lautet der letzte Satz des Gesprächs. Mit seinem regierenden französischen Genossen geht Schröder zur Freude des „Figaro“ hart ins Gericht. Weder für das Rentenalter noch für den Supersteuersatz hat er das geringste Verständnis. „Deutschland erwartet, dass Frankreich seine Hausaufgaben macht“, steht als Zitat und Schlagzeile über dem Interview. Es ist dann nicht ganz so schulmeisterlich wie befürchtet. Schröder verweist auf die ungenügende Internationalisierung der kleinen und mittleren Unternehmen. Und macht sogar positive Ansätze bei den Reformen aus.

„Gerhard, ruf Doris an“

Anlass zur Bestandsaufnahme ist der Geburtstag des Elysée-Vertrags: „Die Freundschaft zwischen unseren Völkern bleibt stark.“ Schröders Bedauern ist jenes der Vorgänger: Früher war es besser. Besonders die Zusammenarbeit. Etwas dreist unterschlägt er, dass er sich selbst zu Beginn seiner ersten Amtszeit vom Primat der deutsch-französischen Freundschaft befreien wollte. Als „Schlussstrich-Kanzler“, der sich aus der historischen Verantwortung und Vergangenheit stiehlt, wurde er in Frankreich empfunden. Bei einem zur Beilegung der Missverständnisse anberaumten Treffen schaute der Kanzler dem Rabbiner Sitruk tief in die Augen.

Wie er und Chirac schließlich zu echten Kumpels wurden, hat er nun auch noch dem „Figaro“ verraten. Langsam fassten sie Vertrauen zueinander. Aber entscheidend war Doris: „Chirac hat zu meiner Frau ein enges Verhältnis unterhalten. Er telefonierte regelmäßig mit ihr.“ Auch nach den vielen Gipfeltreffen, bei denen der sozialistische Premierminister Lionel Jospin dabei war: „Gerhard, ruf Doris an, ich muss mir ihr reden. Das taten sie während zehn Minuten.“ Schröder - der die Franzosen noch immer nicht so gut kennt - glaubt, dass Chirac damit nur „Jospin ärgern wollte“. Kann ja auch sein. Die deutsch-französischen Beziehungen jedenfalls haben die frivolen Anrufe bei der Gattin um eine weitere Männerfreundschaft bereichert.

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Quelle: F.A.Z.

 
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