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Schon vor „Mein Kampf“ : Schrieb Hitler seine frühe Biographie selbst?

Adolf Hitler bei einer Rede (undatiertes Archivfoto) Bild: dpa

Ein Historiker will herausgefunden haben, dass Hitler schon 1923 unter falschem Namen seine eigene Biographie veröffentlicht hat. Ist da tatsächlich ein wichtiges Stück Zeitgeschichte aufgetaucht? Ein weiterer Historiker bezweifelt das.

          Thomas Weber, Professor für Geschichte und internationale Politik an der Universität Aberdeen, macht mit der Behauptung Schlagzeilen, dass Hitler selbst der Verfasser des Buches „Adolf Hitler – Sein Leben. Seine Reden“ sei, das 1923 unter dem Namen Adolf-Viktor von Koerbers erschien. Weber tut kund, unter den in Johannesburg aufbewahrten Papieren Koerbers, eines Nationalsozialisten, der später zum Widerstand übertrat, die eidesstattliche Aussage der Frau des damaligen Verlegers entdeckt zu haben.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Daraus gehe hervor, dass Koerber das Buch nicht geschrieben habe. Weber glaubt, dass „mit großer Wahrscheinlichkeit“ Hitler selbst der Verfasser war. Dieser habe General Erich Ludendorff gebeten, einen konservativen Autor zu finden, der als Verfasser firmieren könne. Diesen Fund sieht Weber belegt durch Erklärungen Koerbers gegenüber einem Mithäftling im Konzentrationslager sowie durch ein Dokument aus dem Jahr 1938, in dem Koerber feststelle, das Buch sei auf Anregung und unter aktiver Mitwirkung von Hitler entstanden. Weber glaubt, dass diese Entdeckung das vorherrschende Bild widerlege, dem zufolge Hitler sich erst nach der Veröffentlichung von „Mein Kampf“ als Retter der deutschen Nation gesehen habe.

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          Der Historiker Othmar Plöckinger, Mitherausgeber der Edition von „Mein Kampf“ und Experte für Hitlers frühe Schriften, hält Webers vermeintliche Sensationsentdeckung jedoch für hinfällig. Das Buch enthalte nur zehn Seiten „euphorische Heldenvita“ und anschließend sieben Reden Hitlers. „Hitlers Autorenschaft der Reden wird ernsthaft niemand bestreiten“, schreibt Plöckinger in einer Stellungnahme. „Bleiben die wenigen Seiten Biografie, will man es so nennen. Sie stammen wohl kaum von Hitler selbst, denn sie enthielten schon für Zeitgenossen nichts Neues.“

          Das im Buch beschriebene „Erweckungserlebnis“ Hitlers im Lazarett in Pasewalk 1918 sei schon lange vor Koerber etwa in der „Frankfurter Zeitung“ genüsslich durch den Kakao gezogen worden. „Dass Hitler sich daraufhin als Ghostwriter entblödet haben soll, noch eins draufzusetzen und sich mit Jesus zu vergleichen, ist kaum anzunehmen. Hitler egomanisch, ja, aber Hitler doof?“ Plöckinger forderte von seinen Kollegen, etwas weniger Sensationslust an den Tag zu legen.

          Quelle: F.A.Z.

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