Bei Joseph Loseys Verfilmung von "Don Giovanni" möchte man erst mal wieder verzweifeln, wie popelig sich die deutsche Ausgabe der Concorde ausmacht im Vergleich zur wunderschönen französischen Ausgabe, und so muss man sich bei uns, von ein paar Schrifttafeln abgesehen, auf den Film konzentrieren, dessen Aufnahmen in den Palladio-Villen rund um Vicenza immer noch eine Augenweide sind, die aufs schönste mit Mozarts Neo-Klassizismus korrespondieren. Loseys Genie zeigt sich schon darin, wie er während der Registerarie ein nacktes Mädchen zeigt, das sich an einem Brunnen wäscht und dann Don Giovannis Blick auf sich ruhen spürt, den Ruggero Raimondi so wölfisch anlegt, dass die Schöne vor ihm zu erschauern scheint. Das gibt dem Zahlenspiel des Leporello gleich eine andere Bedeutung.
Sehr hübsch hingegen ist die Mauricio-Kagel-Edition bei Winter & Winter aufgemacht, die im CD-Format zwei Hörspiele und den grandiosen Film "Ludwig van" vereint. Das war im Beethovenjahr 1968 Kagels Beitrag zu dem, was er in der ersten Einstellung die "Beethoven-Bummserei" nennt, bei der im Folgenden der Jubilar nach allen Regeln der Kunst dekonstruiert wird: "Seine Musik wird so klingen, wie er sie 1826 noch hören konnte. Durchweg schlecht." Man sieht den Bahnhof Bonn, einen Plattenladen, die Schallplattenherstellung, Joseph Beuys turnt mit Totenmaske röchelnd über den Balkon und füllt eine Badewanne mit Ludwig-Büsten aus Fett, der Kameramann trägt Schnallenschuhe, vor dem Beethovenhaus sind Bauarbeiten, Kagel tritt in Werner Höfers Frühschoppen auf, eine Leni-Riefenstahl-Maske sitzt am Steinway und sieht aus wie Norman Bates' Mutter, alles endet zu "Seid umschlungen" mit einer Viecherei im Zoo - und überhaupt wird der Ludwig mindestens so fröhlich zersägt wie in Kubricks "Clockwork Orange". malt