16.04.2007 · Und wann fängt die Musik an? Halten wir uns an Hubert von Goisern, der irgendwann im Laufe seines Dokumentarfilms sagt: "In Afrika wartet man so lange, bis man vergessen hat, worauf man wartet - und auf einmal ist es da." Genauso ...
Und wann fängt die Musik an? Halten wir uns an Hubert von Goisern, der irgendwann im Laufe seines Dokumentarfilms sagt: "In Afrika wartet man so lange, bis man vergessen hat, worauf man wartet - und auf einmal ist es da." Genauso verhält es sich mit Warten auf Timbuktu, dem dreiviertelstündigen Film über von Goiserns Konzertreise zum "Festival au desert", einem jährlichen Spektakel in der Wüste von Mali. 2005 war die Band des deutschen Musikers mit ihrer Mischung aus Volks- und Weltmusik, Akkordeonklage und Sphärenjodlern dorthin eingeladen, und Anreise wie Auftritt hat von Goisern filmen lassen. Man glaubt kaum, dass man jemals zur Wüstenbühne gelangen wird, so lange wird auf dem Niger herumgeschippert. So langt es denn auch nur zu drei Stücken aus dem Konzertprogramm. Aber die Skurillität des Auftritts gleicht das aus, und da "Warten auf Timbuktu" ohnehin nur die Bonus-DVD zu der CD "Ausland", einem Konzertmitschnitt der Von-Goisern-Tournee von 2004, ist, hat man vorher schon reichlich Musik gehört.
Das gilt auch für den Dokumentarfilm Neue Welt des Österreichers Pauls Rosdy. Der Film führt uns in die Randbereiche des Habsburger Reiches, nach Kroatien, Triest, Bosnien, Ungarn. Rosdy schneidet seine aktuellen Aufnahmen mit historischen zusammen und vollzieht so etwa den Weg des Thronfolgers Franz Ferdinand beim Besuch in Mostar, nur wenige Tage vor dem Mord von Sarajevo, in Bildern nach - eine reizvolle Montage. Doch Kern seines hundertminütigen Films ist immer wieder die Musik, in der Rosdy die Seele seiner Gesprächspartner entdeckt. Den Film "Neue Welt" und die Dokumentation über von Goiserns Wüstenkonzert eint somit das Beharren auf die verbindende Wirkung der musikalischen Tradition. Wie unterschiedlich auch ihre konkrete regionale Ausprägung sein mag - Verständigung zwischen den Interpreten und vor allem auch mit den Filmemachern ist sofort möglich, wenn man nur spürt, dass ein Musiker seine eigenen Wurzeln ernst nimmt. Und dass die Kamera wiederum die Musik ernst nimmt. Das gilt für beide DVDs. apl