17.07.2004 · Wer das Interview mit Christoph Schlingensief in der „Frankfurter Rundschau“ gelesen hat, kann bezweifeln, ob der Regisseur am kommenden Sonntag in Bayreuth gefaßt die Reaktionen auf seinen "Parsifal" entgegennehmen wird.
Verzweifelt. Wenn man dieses Interview gelesen hat, dann können einen schon Zweifel befallen, ob Christoph Schlingensief am kommenden Sonntag wohl artig auf die Bühne in Bayreuth treten und gefaßt die Reaktionen auf seinen "Parsifal" entgegennehmen wird.
In dem bemerkenswerten Gespräch, das Peter Michalzik für die Samstagsausgabe der "Frankfurter Rundschau" führte, spricht Schlingensief von "Angst und Schrecken, daß ich meine Bilder nicht durchsetzen kann"; er erklärt Wagners "Weltabschiedsstück" zu seinem eigenen "Abschiedsstück", er entgegnet auf die Frage "Wovon?": "Vom Leben. Wirklich" und redet weiter: "Ich habe oft gedacht, wahrscheinlich bekomme ich nach dem ,Parsifal' Krebs oder einen Gehirnschlag, oder es passiert ein Autounfall."
Was die kolportierten Auseinandersetzungen angeht, verweist Schlingensief zwar auf die Rechtsanwälte, läßt dann aber durchblicken, wo die Probleme liegen. Wolfgang Wagner, so Schlingensief, "bringt schon wirklich was auf die Beine. Aber er wird hysterisiert von seinem Umfeld. Es gibt hier so Kleinfürsten, die dauernd meinen, ihm Bescheid sagen zu müssen." Nach diesem Interview kann man nur mit dem Dichter Grabbe raten: "Denn nichts als Verzweiflung kann uns retten."