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Schilder-Schilda In Köln wird ein Platz nach Willy Millowitsch benannt

Als Bronzestatue sitzt er auf dem Eisenmarkt, sein Nachlass wird rechtsrheinisch verwahrt, und auch wenn es um sein Theater wahrlich nicht zum Besten steht, ist nach Willy Millowitsch jetzt auch noch ein Platz benannt worden. Mit einer Panne.

Auf dem Kölner Eisenmarkt, einem versteckten Plätzchen der Altstadt, sitzt er, volkstümlich naturalistisch, in Bronze gegossen auf einer Bank, die zum Verweilen lädt, sein Nachlass wird - rechtsrheinisch - in, das heißt wirklich so, Schloss Wahn aufbewahrt, wo die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität ihren Sitz hat. Und zum Hundertsten vor vier Jahren haben sie ihm vor dem verschneiten Grab ein Ständchen gebracht.

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Doch um sein Theater, das seit 1936, damals als „Heimatbühne“, in der Aachener Straße residiert, steht es nicht zum Besten, der ewige Etappenhas’ hat schon lange ausgehoppelt, und so soll es im nächsten Jahr zur - horribile dictu - „Mehrzweckbühne“ umgebaut werden. Und dann der Platz, der, in Sichtweite davon, nach ihm benannt wurde: Ein privater Grünstreifen zwischen Straßenbahnschienen und Hotelvorfahrt, der vor allem als innerstädtische Hundewiese missbraucht wird - das muss ihm droben im Himmel ganz schön stinken, und den Kölnern, in deren Herzen Willy Millowitsch, Inbegriff des „leeve Jung“, weiterlebt, natürlich auch.

Dabei konnte es, durfte es nicht bleiben, und so wurde - ist ja schwierig mit neuen Straßennamen, alles schon vergeben, und dann klagen die Anwohner - eine Adresse für ihn mehr er- als gefunden, das Gertrudenplätzchen, an dem Ehren-, St.-Apern- und Breite Straße aufeinandertreffen. Das hätten ein paar Kunstfreunde und Feingeister, die es in Köln ja auch gibt, gerne Sigmar Polke gewidmet gesehen, der dort immer mittags im Café Fromme saß und der Kellnerin den Hintern tätschelte, aber gegen den seligen Volksschauspieler hatte der Vertreter des kapitalistischen Realismus, der auch „auf Melaten“ begraben liegt, nichts zu kamellen.

So bedeutend - und kein Bescheid

Schon Anfang des Jahres hatte die Bezirksvertretung Innenstadt, natürlich in parteiübergreifender Einmütigkeit, den Beschluss gefasst; am 21. August, 0 Uhr, trat mit der Veröffentlichung im Amtsblatt die Umbenennung in Kraft. Doch was fehlte, waren die Schilder. Die Verwaltung, in der offenbar - der Oberbürgermeister ist Westfale! - immer mehr die Immis das Sagen haben, hatte vergessen, sie zu bestellen.

„Wir wundern uns, dass uns bei einer so bedeutenden Umbenennungsaktion keiner Bescheid gegeben hat“, so wird der städtische Bauhofleiter in der Lokalpresse zitiert. Schon am Freitag rückten mehrere Mitarbeiter aus, um auszukundschaften, wie viele Tafeln es sein müssen. Jetzt kann es nur noch passieren, dass auf den Schildern „Willi“ statt „Willy“ steht. Doch so schludrig wie die Frankfurter, denen dieser Fehler, lang ist’s her, beim Namenswechsel von Theaterplatz in Willy-Brandt-Platz unterlaufen ist, sind die Kölner bekanntlich nicht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.08.2013, 16:30 Uhr

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