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Saul Bellow : „Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts“

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Saul Bellow 1915 - 2005 Bild: REUTERS

Der amerikanische Literaturnobelpreisträger Saul Bellow ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Brookline, Massachusetts. Romane wie „Herzog“ und „Humboldts Vermächtnis“ begründeten seinen Weltruhm.

          Der amerikanische Literaturnobelpreisträger Saul Bellow ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Brookline im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, wie seine Familie über einen Sprecher mitteilte.

          Der in Kanada geborene Autor, der mit Romanen wie „Herzog“ und „Humboldts Vermächtnis“ weltberühmt wurde, gehörte zu den am meisten bewunderten und verehrten Schriftstellern Nordamerikas. Zusammen mit William Faulkner stelle er das „Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts“ dar, lobte einst Philip Roth.

          Chronist amerikanisch-jüdischer Intellektualität

          In seinen Werken begab sich Bellow oft auf die Suche nach der Essenz des menschlichen Seins. Eine große Rolle spielte auch die Erfahrung der Einwanderung nach Amerika, insbesondere von Juden. Bellow kam 1915 in der kanadischen Provinz Quebec als viertes Kind einer aus Rußland stammenden Familie auf die Welt. Später wuchs er in einem osteuropäisch und jüdisch geprägten Viertel von Chicago auf.

          Kritiker würdigten Bellow oft als bedeutenden Chronisten amerikanisch-jüdischer Intellektualität. Zu seinen literarischen Verdiensten gehörte die Schaffung eines stark intellektbetonten Heldentyps.

          Nobelpreis 1976

          Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und der Anthropologie arbeitete Bellow zunächst als Universitätsdozent. Den Durchbruch zu einer großen Schriftstellerkarriere schaffte er im Alter von 29 Jahren mit dem Kurzroman „Der Mann in der Schwebe“. Als 1953 sein Buch „Die Abenteuer des Augie March“ erschien, kürte die amerikanische Kritik den fast 800 Seiten umfassenden Roman zum bedeutendsten literarischen Werk des Jahres.

          1965 kam sein tragikomischer Roman „Herzog“ heraus, den nicht wenige für sein bestes Werk halten. Zehn Jahre später erreichte Bellow mit „Humboldts Vermächtnis“ den Höhepunkt seines Ruhms. Der Autor habe mit diesem Roman um die Zweifel eines Intellektuellen an seiner Gesellschaft tiefes „menschliches Verständnis“ bewiesen, lobte die Schwedische Akademie in Stockholm, die Bellow 1976 dafür den Nobelpreis verlieh.

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