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Intelligenz von Menschen und Ethnien : Was ist dran an Sarrazins Thesen?

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Thilo Sarrazin am Montag nach einer Radiodiskussion in Berlin Bild: AFP

Die Arbeiten der Entwicklungspsychologen und Begabungsforscher Heiner Rindermann und Detlef Rost wurden zu den wichtigsten Quellen für Thilo Sarrazins Deutschland-Buch. Jetzt schreiben sie, was an Sarrazins Thesen ihrer Meinung nach Bestand hat - und was nicht.

          Die deutsche Öffentlichkeit erfährt durch das enorme Echo auf Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ manche als politisch nicht „korrekt“ angesehene und tatsächlich auch gesellschaftlich heikle Details über das Zusammenspiel von Intelligenz, Wirtschaft, Religion und Demographie. Für viele ist es schockierend, dass Intelligenz im Kontext von Minderheiten, Vererbung und dem Islam genannt wird. Es besteht die Gefahr der Stereotypisierung: Als Folge können Angehörige der benannten Gruppen unabhängig von ihren individuellen Merkmalen mit negativen Attributen belegt werden. Deshalb ist bei diesen Themen besondere Sorgfalt in Forschung und Begrifflichkeit - politisch wie ethisch - geboten.

          Sarrazins Bestseller ist gespickt mit Zahlen, Tabellen, deutschen und englischen Zitaten und Forschungsergebnissen aus den Bereichen Intelligenz, Bildung, Wirtschaft, Kultur und Demographie, die unter dem Gesichtspunkt der Relevanz für Gesellschaft und Kultur miteinander verknüpft werden. Sarrazin argumentiert, zumindest was das Psychologische angeht, für einen Laien bemerkenswert differenziert; Korrelation wird von Kausalität unterschieden, andere Ansichten werden zitiert und argumentativ bewertet.

          Stichprobenartig haben wir im Buch abgedruckte Tabellen mit den jeweiligen Quellen verglichen und Sarrazins Berechnungen nachgeprüft; nennenswerte Fehler konnten wir in diesen Stichproben nicht finden. Obwohl fachfremd, scheint Sarrazin das, was er in psychologischen Fachbüchern gelesen hat, im Wesentlichen verstanden zu haben. Manche Details hätte man aber präziser und ausführlicher darstellen können.

          Sarrazins Buch ist im Grunde genommen eine Art bürgerlicher Kampfschrift für Stabilität und Disziplin, Eigenverantwortung und Leistungsprinzip, Realismus und Pragmatismus, Erziehung und Fleiß. Gestützt auf unsere Expertise als Psychologen, fokussieren wir in unserem Beitrag Sarrazins fünf intelligenz- und bildungsbezogenen Hauptthesen.

          Hängt Wohlstand von Intelligenz ab oder Intelligenz von Wohlstand?

          Dass kognitive Kompetenzen nicht wenig mit nachhaltigem Wirtschaftserfolg zu tun haben, stellt die Grundlage der durch die Wirtschaftsorganisation OECD durchgeführten Pisa-Studien dar. Empirische Untersuchungen belegten enge Zusammenhänge zwischen kognitiven Kompetenzen - seien sie durch Intelligenztests oder durch Schulleistungstests gemessen - und dem Bruttoinlandsprodukt wie dem Wirtschaftswachstum. Unklar ist jedoch der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang: Führt Intelligenz zu Wohlstand, oder ist es nicht vielmehr umgekehrt, hat Wohlstand eine bessere Intelligenz zur Folge? Stehen vielleicht hinter diesem Zusammenhang unbekannte weitere Faktoren?

          Erst bei einer Feinanalyse der Zusammenhänge wird deutlich, dass insbesondere das Fähigkeitsniveau der etwa fünf Prozent kognitiv Leistungsfähigsten einer Gesellschaft besonders relevant ist, weil diese Personen für technische Innovationen und deren Adaptation, für die Steuerung in Betrieben und Verwaltungen und für die Funktionalität komplexer Systeme die größte Verantwortung tragen. Außerdem sind kognitive Kompetenzen von der Qualität der Erziehung und Bildung abhängig. Intelligenz ist immer ein in Kausalnetze eingebundener Faktor. Je komplexer ein Wirtschaftssystem ist, desto mehr hängen seine Erfolge von kognitiven Kompetenzen ab.

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