05.07.2009 · Um Sarah Palin, die scheidende Gouverneurin von Alaska, versammelten sich so viele skurrile Gestalten, dass man darüber vergaß, was für ein Kaliber sie selbst war. Ihre Abschiedsrede hat das noch mal klargemacht.
Von Nils MinkmarAm besten hat mir der Ex-Schwager gefallen, der seinen Stiefsohn einmal zur Zielscheibe seines Laser-Elektroschockers genommen und außerdem „illegal einen Elch“ erschossen hatte, was aber beides nicht reichte, ihn aus dem Polizeidienst von Alaska zu entlassen, das kam erst, als die Scheidung von Sarah Palins Schwester so richtig fies wurde; da hat sie sich gerächt und ihn strafversetzen lassen. Fragt sich bloß, wie man in Alaska jemanden in die Wüste schickt?
Gut war auch der Justizminister, den sich Palin ausgesucht hatte und für den Homosexuelle „Degenerierte“ waren. Später hat er das verbessern wollen und erläutert, sein Widerwille gegen Schwule und Lesben sei vergleichbar mit seiner „Abneigung gegen Limabohnen“. Um Sarah Palin versammelten sich so viele skurrile Gestalten, dass man darüber vergaß, was für ein Kaliber sie selbst war.
Mixstab des Wahnsinns
Ihre Abschiedsrede hat das dann noch mal klargemacht: Allerweltsgedanken, wie man sie in Kolumnen vergilbter Illustrierter lesen möchte, und dann den Mixstab des Wahnsinns hineingehalten. Das Manuskript liest sich, so Paul Begala, wie die „Plattenkritik des neuen Jonas-Brothers-Albums auf der Facebookseite einer Dreizehnjährigen“: Achtzehn Ausrufezeichen, manche Wörter stehen sinnfrei in Großbuchstaben, der Name ihres Sohnes in Anführungzeichen. Sie grinste, grimassierte und redete irgendwas daher, als sei sie geisteskrank, übrigens immer noch die schlüssigste Erklärung des ganzen Phänomens.
Peinlich war es für den Mann, dem die Öffentlichkeit die ganze verstörende Mini-Serie mit Sarah zu verdanken hat, dem angesehenen konservativen Kolumnisten William Kristol. Der hatte vor zwei Jahren eine der modernen politischen Kreuzfahrten unternommen, bei denen sich reiche Gesinnungsgenossen mit bekannten Journalisten und Politikern auf einem Schiff treffen, um die gemeinsamen Bande zu festigen und die Kriegskassen zu füllen. Bei einem Zwischenstopp in Alaska gab es ein Abendessen. Sarah Palin stöckelte in hohen Absätzen durch ihren Amtssitz, in der einen Hand die Knarre, in der anderen einen Teller mit Steaks, drum herum die Kinder, und ein fulminantes Tischgebet hat sie auch noch gesprochen. Kristol hat es jedenfalls schwer erwischt, und weil viele auf ihn hören, wurde sie zur Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten. Das ging natürlich gar nicht und auch nicht gut.
Macht das was?
Palin selbst macht sich über ihre Fähigkeiten keine Illusionen. Einem Konkurrenten sagte sie mal: „Ich sehe bei den Veranstaltungen, dass du auf Fragen mit Zahlen, Fakten und politischen Vorschlägen antwortest, ohne ein Blatt vor dir zu haben!“ Ihre Schlussfolgerung: „Ich kann das nicht. Aber dann schaue ich ins Publikum und frage mich: Macht das was?“
Was hat Sarah Palin mit uns gemacht? Leider eine Menge, denn sonst würde niemand auf den Gedanken verfallen, diese nun vorzeitig und ohne Not beendete erste Amtszeit sei eine günstige Ausgangsposition, um das Amt des Präsidenten anzustreben, der Rücktritt also ein „schlauer Zug“ - so gestern der messerscharfe Kommentar von: William Kristol. Ebenso plausibel ist meine These, dass Sarah im Dienste Nordkoreas steht, ausgesandt, um uns klarzumachen, dass die Medienöffentlichkeit vor einer Kombination aus hellem Wahnsinn und passender Optik schlicht kapituliert. Nordkorea also. Oder David Lynch als Testamentsvollstrecker von Robert Altman. Macht das was?
Wer hat Fau Palin gemacht?
René Vogt (Paulae)
- 05.07.2009, 17:35 Uhr
Wenn man ...
Max Munster (MaxMunster)
- 05.07.2009, 18:00 Uhr
Kann jemand helfen?
Torsten Klier (TorstenKlier)
- 05.07.2009, 19:05 Uhr
@Herr Munster, schon wahr, aber im Feuilleton
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 05.07.2009, 19:11 Uhr
Wenn in China ein Sack Reis platzt...
Shora Fix (shorafix)
- 05.07.2009, 19:13 Uhr