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Sammler Axel Haubrok - Er redet lieber mit Galeristen als mit Künstlern

 ·  Axel Haubrok verdient sein Geld als Unternehmensberater. Terminnot ist sein täglich Brot. Da braucht er noch etwas zum Leben: Kunst. Ein Besuch in seiner erlesenen Sammlung.

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Elektrisiert kramt Axel Haubrok im Bücherbord nach Unterlagen seiner jüngsten Neuerwerbung. Fotografien von Florian Slotawa haben es ihm auf der letztjährigen Art Cologne angetan, Bilder von Hotelzimmern, in denen der Künstler aus Passau jeweils eine Nacht gewohnt hat.

Geschlafen hat der junge Mann dort kaum. Statt zu träumen, räumt Slotawa das ganze Zimmer um. Er stellt es auf den Kopf und nimmt die Betten auseinander, macht eine Schlafhütte daraus und fotografiert das Ganze. Dann baut er alles wieder so hin, als wäre nichts gewesen. Seine Fotografien sind Nachtdokumente. Solche Situationen hätte man als Kind gern durchgespielt. Das macht dem Endvierziger Haubrok diebisch Spaß. Und auch das Video, in dem Slotawa durch acht deutsche Großmuseen rennt, gefällt ihm.

Ein gewisses Grundinteresse

Im Gespräch wischt Axel Haubrok die Anfänge seiner Sammeltätigkeit mit dynamischer Geste vom Tisch. Gemalt hat er selbst einmal. Am Geschehen der Kunstszene war er immer interessiert. Doch das ist selbstverständlich. Reden wir lieber über die Gegenwart.

Haubrok hat als Unternehmensberater in Düsseldorf Erfolg. Mehr als nebenbei engagiert er sich außerdem für die Kunst. Privat. Über die Jahre kamen Werke seiner eigenen Generation zusammen: Günther Förg, Imi Knoebel, Rosemarie Trockel. Das Wohnambiente wird bereichert, aber die drei hohen Zimmer reichen nur für einen Bruchteil dessen, was in gut zehn Jahren zusammengekommen ist. Inzwischen reizen Haubrok jüngere Positionen: Olafur Elliason, Gregor Schneider, Jorge Pardo, Tobias Rehberger oder Cosima von Bonin. Namen, die im Gespräch sind. Im Haus haben sie keinen Platz mehr.

Man könnte denken, Haubrok sammle Mainstream

Doch ein Namenssammler ist er nicht. Er und seine Frau sind ungewöhnliche Menschen. Am Rande der Düsseldorfer Innenstadt leben sie in einem sorgfältig durchkomponierten Reich der Kunst. Auf zwei umgebauten Etagen regieren Originale, Multiples und Editionen. Das alltägliche Leben wird unterstrichen. Nichts behindert. Ein schwarzer Teppich mit braunen Plus- und Minuszeichen stammt von Rosemarie Trockel. Die Edition ist erst auf den zweiten Blick als "Kunst" erkennbar. Dasselbe gilt für den strengen Holztisch für zwölf Gäste als Auflagenobjekt von Donald Judd. Haubrok erwarb ihn irgendwann einmal im Kölner Kunstverein, während der Kronleuchter darüber in den Vereinigten Staaten geordert wurde - ebenfalls als Edition. Jorge Pardo hat ihn aus pastellfarbenen Plastikelementen zusammengefügt. Unaufdringlich harmoniert er mit einer an die Wand gepinnten Papierarbeit: Pardo hat darauf hellgrüne und blassblaue Luftblasen wie erfrischenden Sprudel eingefangen.

Dekoration oder Kunst?

Von Franz Erhard Walther stammt ein Holzbord mit darin eingenähten Leinwandstücken. Es dient zur Steigerung und Wahrnehmung der eigenen Seinswahrnehmung. Nach Haubrok ein Stück Vergangenheit. Eigentlich gehört es nicht mehr dazu - im Unterschied zu den Fotografien von Günther Förg, die hoch unter der Decke Bauhausblicke auf Architektur wiedergeben, im Unterschied auch zu den selten schönen Gemälden von Förg und Knoebel. Die großen Leinwände verändern das geläufige Bild ihrer Malerei. Axel Haubrok und seine Frau sammeln originell, ohne originell sein zu wollen. Mit sicherer Hand greifen sie zentrale Werkgruppen auf. Darin finden sie das Ungewöhnliche. Von Katharina Grosse hätte Haubrok vielleicht gern ein Bild. Vor allem ihre weißen Leinwände interessieren ihn. Aber wo hat man die in letzter Zeit schon gesehen?

Räume, zum Beispiel von Gregor Schneider

Einen Raum von Gregor Schneider hat er schon. Für verschiedenen Ausstellungen hat er ihn um die halbe Welt verliehen. Nun wird der Raum bald auf der Biennale in Venedig den Deutschen Pavillon irritieren. Ein Wohnambiente von Tobias Rehberger und einige Stücke von Cosima von Bonin bilden Ensembles, die man zu Hause nur schwer genießen kann. Wenn sie nicht gerade irgendwo in einem Museum brillieren, liegen sie auf Lager. Leihweise. Zum Beispiel in Mönchengladbach. Aber ohne Namensschildchen.

Haubroks Motivation ist nicht die Nähe zu den etwa 50 Künstlern in seiner Sammlung. Die meisten kennt er nicht einmal persönlich. Er gehört eher zu jenen, die lieber mit Galeristen als mit Künstlern reden. Haubrok lässt sich beraten. Er diskutiert. Nächtelang sucht er nach neuen Konzepten. Er findet, Besitz sei schön, müsse aber nicht für jeden sichtbar sein. Es befriedigt ihn genauso, wenn er weiß, dass er etwas hat.

Gebrauchen und sehen muss er die Arbeiten nicht ständig. Neben dem Beruf, in dem man alles gibt, aber nichts Dauerhaftes schafft, ist es das Sammeln von Kunst, das Haubrock herausfordert. Darin türmt sich Zeit, wird wieder abgestoßen, oder bleibt als Spur eines engagierten, selbstverständlich gelebten Lebens sichtbar.

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