Home
http://www.faz.net/-gqz-70lya
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Salzburger Festspiele Erklärt Pereira

 ·  Keine Wolkenkuckucksheimerei für einen selbstbegeisterten Sponsorenbegeisterer: Bei den Querelen um den Intendanten der Salzburger Festspiele Alexander Pereira geht es um die Machtfrage.

Artikel Lesermeinungen (0)

Dass ein neuer Chef mit Rücktritt droht, bevor er angetreten ist, hat Seltenheitswert. Selbst in der mit Rücktritten reich gesegneten Geschichte der Salzburger Festspiele gab es so einen Fall noch nie. Dabei waren ja tatsächlich längst Kaffeehauswetten darüber abgeschlossen worden, in Zürich und in Salzburg, ob Alexander Pereira, der „bekennende Euphoriker“ („News“) und „Promoter mit Hang zum Überschwang“ („Tagesanzeiger“), seinen ersten Salzburger Festspielintendantensommer überhaupt live erleben werde oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er vorher ins Stolpern gerät, sei es über das Tempo seiner eignen dynamischen Jungbrunnenfüße, sei es, weil er von Natur aus die Nase gern hoch trägt, war groß.

Jetzt hat Pereira in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ ein Ultimatum gestellt. Er erklärte, entweder müsse ihm das Kuratorium seinen Budgetplan für 2013 (64 Millionen Euro) „zähneknirschend genehmigen“ oder dieser Streit werde dazu führen, „dass ich aufhöre“. Das Kuratorium schlug zurück. Man fühle sich erpresst, hieß es gestern verschnupft; man wolle die Festspiele nicht von dem Wohlwollen der Sponsoren abhängig machen, man wolle ein gesundes, moderates Wachstum, keine Wolkenkuckucksheimerei, mehr als 60 Millionen seien nicht drin. Und der stellvertretende Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Vorsitzender des Gremiums, zündelte gleich noch ein bisserl hinterdrein und tat so, als sei Pereiras Rücktrittsgesuch schon so gut wie angenommen: „Die Festspiele waren vor Pereira erfolgreich und sollen und werden es auch danach sein.“

Auf gut Österreichisch bedeutet das: Es geht nicht um vier Millionen mehr oder weniger. Es geht um die Machtfrage. Dieser selbstbegeisterte Sponsorenbegeisterer mit seinen vorlauten Manieren ist den Politikern einfach eine Nummer zu groß geworden. Pereira hat die Festspiele um eine Woche verlängert. Sehr gut. Er hat das Kartenkontingent um fünfundzwanzig Prozent erhöht, die Einnahmen bei den Pfingstfestspielen verdoppelt. Auch gut. Und er will im nächsten Jahr drei Opern mehr auflegen als im laufenden. Vor allem aber fordert er jetzt, dass die Politik künftig die Kosten der Tariferhöhungen auffangen möge, und macht sich damit zugleich zum Fürsprech des gesamten Opernbetriebs. Das geht offenbar zu weit. Morgen findet die letzte Premiere der Zürcher Pereira-Ära statt: „Mathis der Maler“. Mit der „Zauberflöte“ soll im Juli die Salzburger Pereira-Ära beginnen. Warten wir’s ab?

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin

Jüngste Beiträge

Der große Unbekannte

Von Patrick Bahners, New York

Glafira Rosales ist Hauptverdächtige im Fall der mutmaßlich gefälschten Gemälde, die Knoedler in New York verkauft hat. Jetzt wurde sie festgenommen. Ihr droht eine lange Haftstrafe. Mehr 2