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Sag’s mit Schlössern Wir sind keine Affäre

 ·  Das neueste Liebesritual: Vorhängeschlösser, die zu Abertausenden an Flussbrücken angebracht werden. Was wollen uns und sich die Paare damit sagen? Eine soziologische Deutung.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (8)
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Fritz Esser

155.827

Ich meine, dass die Vorhängeschlösser ein klarer Fall von Non-Intentional-Design geworden sind. Sie sind nicht dafür gemacht, eignen sich aber hervorragend für diese Botschaft: So lange dieses Schloss hier hängt, werden wir nicht auseinander gehen. Deshalb schmeißen die Paare den Schlüssel ja auch in den Rhein. Wussten Sie das nicht? Dort wo er am tiefsten ist. Vater Rhein, der über die Kölner und ihr Glück wachen soll, gibt ihn bestimmt nicht mehr her. Im Übrigen: Wikipedia schreibt tatsächlich von 40.000 Schlössern. Das war uns als Rechercheergebnis zu ungenau. Deshalb haben wir nachgezählt: Im Oktober 2012 waren es 155.827.
[link entfernt, bitte Richtlinien beachten; Mod.]
Fritz Esser, Redaktion BILD Köln

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Prof Georgy Koentges

empirische Klaerung?

Ich frage mich: 1.was ist die chronologische Sequenz des Schloss-Anbringens. Fing es in der Mitte an und diffundierte zur Seite oder umgekehrt? Danach bemisst sich, nach wie vielen Gruenden wir suchen muessen jenseits der Imitation. 2. Frueher malte/ritzte man 2 Initialen in ein Herz. Noch frueher dichtete man: Du bist min, ich bin din des solt du gewiss sin. du bist beslossen in minem herzen, verloren ist das slüsselin, du muost immer drinne sin.' Solche Symbolik gibt es seit Jahrtausenden, ist das so schwierig/interessant? 3.Das Anbringen derartiger Initialen an wichtigen (Kult)staetten ist auch sympathetische Magie, wie Gombrich&al zeigten. 4. Wir beobachteten selbst, dass Paare die Schluesselchen nach Anbringen des Schlosses in den Rhein warfen. Warum ist das in windiger Mitte besser als am Rande? Fazit: die Empirie loest viele Spekulationen in Luft auf, falls man ihr eine Chance gibt: 'Sparsamkeit' der Erklaerung und empir. Pruefung sollten auch in der Soziologie Tugenden sein.

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Egon Weissmann
Egon Weissmann (EgonOne) - 04.01.2013 20:10 Uhr

SOS ... wo sind die Schlosser ?

Sehr interessante "soziologische Deutung" werter Kai-Olaf Maiwald.
Die Symbolik ist sehr verstaendlich, aber da waechst schleichender Zweifel, wie wohl dieses Verschliessen von Haengeschloessern weitergeht,-- besonders da so manche "Verbundenheit" die Pruefung der Zeit kaum ueberlebt -- und oft zerbricht.
Was dann mit den Schloessern? Werden die einfach vergessen und bleiben haengen, wie ein Grabmal einstiger Freude und Zusammenseins?
Selbst wenn einer, der verschlossenen ehmaligen Gluecklichen, dieses Symbol entfernen moechte; und feststellt dass es nur einen einzigen Schluessel gibt? Oder noch schlimmer, der ist verloren gegangen? Was nun? Den Schlosser anrufen !
Traurige Sache.
Ich hoffe dass die Schloesserverbundeten ihre Verbindung laenger halten als die Scheidungsrate in der Bevoelkerung -- denn sonst haben wir eine Neue Welt von Haengeschloessern, ohne Schluessel und entaeuschten Liebhabern
Pax vobiscum

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Holger E. Dunckel

Zustand ästhetischer Freiheit

Ist das Problem einer derartigen Soziologie nicht, dass ein Ritual der Interpretation selbst die Beziehung zum Beschriebenen als etwas Unwahrscheinliches und Hochriskantes dramatisiert? Es der Selbstverständlichkeit in seiner situativen Ästhetik beraubt? Transmutiert so nicht Soziologie zum Mittel gegen eine Gefahr, die sie gleichzeitig heraufbeschwört? Wenn in unserem Bekenntnis zur Interpretation noch gegenwärtig ist, dass wir selbst das größte Risiko ihrer Fadenscheinigkeit sind, dann ist der Gedanke an eine Trollkommunikation nicht weit.
Schon 1795 schrieb Friedrich von Schiller: „Der Übergang von dem leidenden Zustande des Empfindens zu dem tätigen des Denkens und Wollens geschieht also nicht anders als durch einen mittleren Zustand ästhetischer Freiheit. … Es gibt keinen anderen Weg, den sinnlichen Menschen vernünftig zu machen, als dass man denselben zuvor ästhetisch macht.“

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Klaus Mueller
Klaus Mueller (Jeeves3) - 04.01.2013 14:17 Uhr

...D'ppen ...

Das ist wieder ein dieser doofen Moden... mehr nicht.
Und wie immer bei Moden: Alle Deppen machens mit.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.01.2013 19:10 Uhr
Thomas Berger
Thomas Berger (tberger) - 04.01.2013 19:10 Uhr

Es stimmt eigentlich, aber...

...sind Hochzeiten nicht gerade wegen der eigentlich sinnlosen Rituale schön? Wenn's nur um das Rationale ginge, könnte man auch auf alles andere von Ring bis Traugottesdienst verzichten und sich auf das Ausfüllen des Antrags auf Änderung der Steuerklasse beschränken :-)

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Roland den Hartog

...und die Spaßbremsen...

...regt es so herrlich auf.

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Angelika  King
Angelika King (AIKing) - 04.01.2013 13:21 Uhr

Das Vorhängeschloss

als Aufhänger für eine Gesellschaftsanalyse. Sehr beeidruckend! Ich hätte nicht gedacht, dass man darüber so viel schreiben kann.

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04.01.2013, 12:23 Uhr

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