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Safranskis Bestseller : Goethe, Platz 1

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Dass Rüdiger Safranskis Goethe-Biographie ein Zeitenwende-Buch über das Jahr 1913 ablöst, sagt viel über die Sehnsüchte des Leselands Deutschland aus.

          Rüdiger Safranski führt mit seiner großen Biographie „Goethe. Kunstwerk des Lebens“ die Sachbuch-Bestsellerliste an. Das ist im Internetzeitalter, zehn Tage nach Erscheinen des Buches, eine Sensation. Sensationell ist ja schon, dass so ein Werk in Zeiten von Wikipedia und einer Flut an biographischen Internetskizzen überhaupt geschrieben wurde. 750 (sparsam bebilderte) Seiten stark und in bester klassischer Ausstattung mit Lesebändchen und besonderer Papierqualität, kostet es 27,90 Euro. Und fünfzig Jahre nach Richard Friedenthals Maßstäbe setzender Goethe-Biographie, die ihrerseits ein halbes Jahrhundert nach dem Standardwerk von Friedrich Gundolf erschien, wollen wir genau das lesen!

          Selbst beim Hanser Verlag, wo man bereits mit einer Startauflage von hunderttausend Exemplaren warb, ist man von diesem Erfolg überrascht. Dafür gibt es Gründe. Zunächst einmal ist Safranski Deutschlands berühmtester Biograph; mit E.T.A. Hoffmann hat er begonnen, es folgten so umfassende wie anschaulich geschriebene Porträts von Schopenhauer, Nietzsche und Schiller. Dass der Autor auch durch Fernsehauftritte etwa beim „Philosophischen Quartett“ eine vertraute Größe ist, kommt hinzu. Was das enorme Interesse an seinen Themen angeht, so deuten die letzten drei Werke die Richtung bereits an: seine Schiller-Biographie war 2004 sehr erfolgreich, noch besser verkaufte sich sein Epochenspiegel zur „Romantik“ (2007), und mehr noch als beide faszinierte vor vier Jahren Safranskis Geschichte der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller.

          Aber gerade die vordersten Ränge der Bestsellerlisten sind stets auch Temperaturfühler für Sehnsüchte und Befürchtungen im Land. Wenn da ein Klassiker wie Goethe die ausführliche Beschäftigung mit der Zeitenwende des Jahres 1913 ablöst, verrät das noch etwas: Safranski porträtiert Goethe nämlich als glücklichen Realisten, der die Gabe besaß, sich das Leben gefügig zu machen, mit dem Kopf in den Wolken, mit beiden eleganten Beinen auf dem Boden. So lässt er auf neun Jahre Herzogsdienst in Weimar ein Sabbatical in Italien folgen und kommt, an Geist und Körper erfrischter als jeder Wellnessurlauber, zurück und erfindet sich neu. Mit welcher Lust und unverkrampften Bewunderung Safranski das alles erzählt, ist nicht nur lehrreich. Es ist inspirierend. Deswegen ist der erste Platz für dieses Lebensratgeberbuch ein wunderbar verdienter Lohn.

          Quelle: F.A.Z.

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