26.01.2009 · Superstars wurden mittlerweile in den einschlägigen Fernsehshows schon einige gefunden. Nun soll sich eine Show der BBC mit Unterstützung des englischen Sammlers Charles Saatchi auf die Suche nach den Kunststars der Zukunft machen.
Von Rose-Maria GroppEs gehört seit Jahrzehnten zu den Spielregeln des Charles Saatchi, unbekannte Künstler in sein Imperium zu holen, noch nicht kommerzialisierte, unverbrauchte. Dafür hat der Brite Ehrentitel erhalten wie Pate, Don, Mogul der zeitgenössischen Kunst. In der Tat, zahlreich und leuchtend sind die Namen derer, die er zu Karrieren in Galerien und Museen führte.
Von stärkster Nachhaltigkeit erwiesen sich bisher jene weiland „Young British Artists“ genannten Künstler unter der Ägide des Superstars Damien Hirst. Aber das ist schon mehr als zehn Jahre her, und bekannt ist auch, dass Saatchi, so wie er sie kauft, die Kunst abstößt, wenn er genug davon hat – so geschehen mit seinem Hirst-Paket (das dieser selbst zurück erwarb) und unlängst mit einem Satz Bilder des Malstars Peter Doig, die er kommentarlos in Londoner Auktionen gab.
Der entscheidende Juror im Hintergrund
Jetzt beschreitet der Sammler-Tycoon einen neuen Weg. „Saatchi’s Best of British“ wird die Schau im Herbstprogramm der BBC heißen, die der Erfolgssendung „X Factor“ ähnelt, also ungefähr so funktionieren soll wie hierzulande „Deutschland sucht den Superstar“. Jeder, wirklich jeder, der sich berufen fühlt, zur nächsten Generation der „Young British Artists“ zu gehören, so heißt es, kann sich für diesen Talentschuppen bewerben; egal, was er macht, vom Malen bis zur Performance.
Keine Ausbildung ist notwendig, es geht aufs Ganze und ums reine Genie von Natur. Saatchi wird der alles entscheidende Juror im Hintergrund sein – nein, für peinsame Auftritte ist der Mann noch nie gut gewesen, nicht einmal auf seinen eigenen Vernissagen. Er will wohl die ganz große Auswahl; er jagt wieder, auf bisher unbekanntem Terrain.
Fortbildung in der Kunstschule
Der zuständige Kollege bei der BBC ist von schlichterem Gemüt; es gehe darum, moderne Kunst zu „entmystifizieren“, sagt er. Darauf wartet man ja schon länger, mal endlich den Schleier wegzuzerren vom schöpferischen Prozess. Denn die sechs Finalisten, die Saatchi persönlich aus allen Bewerbern herausholt, werden für drei Monate zur weiteren artistischen Ertüchtigung in eine eigens erfundene Kunstschule gesteckt: Und da ist es wieder, das Camp, wie der Zuschauer es liebt.
Könnte es sein, dass Charles Saatchi sich langweilt? Der Mann hat alles gehabt an Kunst. Jetzt würfelt er ein bisschen. Übrigens gehört zu den Regeln angeblich auch, dass er selbst vom Kauf der Werke des Gewinners ausgeschlossen ist. Was für ein Jammer für dieses hoffnungsvolle Geschöpf. So viel Mühe – und dann keine Saatchi-Provenienz für den weiteren Lebensweg.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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