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Veröffentlicht: 10.04.2017, 14:13 Uhr

Russland nach dem Anschlag Terror macht Paranoia

Nach dem Anschlag in Sankt Petersburg zeigt sich Russland verschwörungsbesessen: Die einen verdächtigen Putin, die anderen die Ukraine. Und einer zündet ein Dorf an.

von Nikolai Klimeniouk
© AFP Sicherheitsmaßnahmen nach dem Terroranschlag in Sankt Petersburg: ein Eingang zur Moskauer Metro

Nach der Explosion in der Petersburger Metro wurden die ersten Verdächtigen genannt, noch bevor die Behörden etwas Konkretes präsentieren konnten. Ein nicht unerheblicher Teil der russischen Öffentlichkeit war sich sofort sicher, wer hinter dem Anschlag steht: Präsident Wladimir Putin und seine Geheimdienste.

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Viele Vermutungen dieser Art kamen von Teilnehmern und Sympathisanten der jüngsten Protestdemos. Es meldete sich auch oppositionelle Prominenz zu Wort, etwa Michail Chodorkowskij oder der in Deutschland lebende Ex-Vizepremier und Putinkritiker Alfred Koch. Sie verwiesen auf die vermeintliche Ähnlichkeit des Anschlags mit den Explosionen der Wohnhäuser in vier russischen Städten am Vorabend der Wahlen im Jahr 1999, die Wladimir Putin zum Präsidenten machten. Diese verbreitete Theorie, die unter anderem der 2006 in London ermordete Ex-Geheimdienstler Alexander Litwinenko in seinen Büchern mit zahlreichen Indizien zu belegen versuchte, besagt, dass der russische Geheimdienst FSB an den Anschlägen direkt oder indirekt durch seine Agenten im terroristischen Untergrund beteiligt war, um Putins Wahl zum Präsidenten voranzutreiben.

Putin zog politischen Nutzen aus alten Terroranschlägen

Auch wenn es keine nagelfesten Beweise für diesen Verdacht gibt und viele ihn für eine Verschwörungstheorie halten, gilt er in regimekritischen Kreisen als glaubwürdig und fast schon selbstverständlich. Unbestritten ist auf jeden Fall, dass Putin aus jenen und vielen späteren Terroranschlägen politischen Nutzen zog. So wurden zum Beispiel im Jahr 2004 nach dem Geiseldrama von Beslan Gouverneurswahlen abgeschafft, 2013 nach den Bombenanschlägen in Wolgograd wurden die Befugnisse der Geheimdienste wesentlich erweitert und die Kontrolle des Internets verschärft. Jetzt spekulieren viele, dass der Anschlag auf die Metro instrumentalisiert wird, um gegen die Protestbewegung vorzugehen.

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Diese Stimmung war am Tag des Anschlags so stark und allgegenwärtig, dass das populäre russische Frage-und-Antwort-Onlineportal TheQuestion.ru sogar ein Feature zum Thema veröffentlichte. Der Titel lautete: „Warum wird behauptet, dass der Anschlag in Petersburg Putins Wahlkampagne ist?“. Zur selben Zeit wurde in den staatlichen und staatsnahen Medien gegen vertraute Feinde gehetzt: Der frühere Duma-Abgeordnete Alexander Chinstejn, der jetzt als Chefpropagandist der Nationalgarde agiert und von einer Talkshow zur anderen pilgert, verband die Anschläge mit „farbenen Revolutionen“. Der ultranationalistische Schriftsteller Alexander Prochanow und der Moderator einer der wichtigsten Propagandasendungen Wladimir Solowjow zeigten auf die Ukraine und die Protestbewegung. Dasselbe tat der pensionierte FSB-General und „Sicherheitsexperte“ Alexander Michajlow in der Boulevardzeitung „MK“. Und das, obwohl die Behörden von Anfang an von einem islamistischen Hintergrund sprachen.

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