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Kritik im Staatsfernsehen : Sie spielte russisches Roulette

  • -Aktualisiert am

Russia-Today-Moderation Abby Martin in ihrer Nachrichtensendung „Breaking the Set“ Bild: Youtube

„Was Russland getan hat, war falsch.“ Ausgerechnet im russischen Staatsfernsehen übte die Moderatorin Abby Martin offen Kritik an Putin und verurteilte die russische Besetzung der Krim. Ihr Arbeitgeber schickt sie nun selbst dorthin.

          Für unabhängigen Journalismus ist der vom Kreml finanzierte Staatssender „Russia Today“ nicht unbedingt bekannt. Der Moderatorin Abby Martin wurde die einseitige Berichterstattung ihres Senders nun aber zu viel. Vor laufender Kamera bezog sie mehr als deutlich Stellung zu den Vorgängen in der Ukraine: „Nur weil ich für ,Russia Today‘ arbeite, heißt das nicht, dass ich keine journalistische Unabhängigkeit habe.“

          Am Ende ihrer Sendung „Breaking the Set“ wandte sie sich am Montag an ihre Zuschauer, lief mit festem Schritt durch das Studio. Sie könne gar nicht genug betonen, wie „entschieden ich gegen jede Form von ausländischer Einmischung in die Angelegenheiten eines souveränen Staates bin. Was Russland getan hat, war falsch.“ Mit offensichtlicher Wut im Bauch machte Abby Martin in ihrem einminütigen Monolog klar, wie sehr sie eine militärische Invasion auf der Krim verurteilt: „Ich werde nicht hier sitzen und eine militärische Aggression entschuldigen oder verteidigen.“

          Ungeplante Dienstreise als Folge

          Die 29 Jahre alte Moderatorin ist für ihre unkonventionelle und meinungsstarke Art zu moderieren bekannt. Bislang deckten sich ihre Ansichten aber größtenteils mit denen der russischen Regierung. In einer ihrer früheren Ausgaben von „Breaking the Set“ zerstörte Abby Martin mit einem Hammer einen Fernsehbildschirm, auf dem gerade CNN lief. Der Kritik an westlichen Medien scheint sie sich vor allem verschrieben zu haben. Die gebürtige Kalifornierin gründete die Organisation „Media Roots“, die sich dem Bürgerjournalismus verschrieben hat und Massenmedien kritisch betrachtet. Auf ihrer Facebook-Seite erhält sie Glückwünsche für ihren Mut, wird aber auch kritisiert.

          „Russia Today“ teilte auf Anfrage mit, man respektiere die Meinungen der Journalisten und Moderatoren im Sender, Abby Martin habe keinerlei Maßregelung zu erwarten. Ihre kritischen Äußerungen dürften der Moderatorin aber eine ungeplante Dienstreise verschaffen: „Frau Martin bemerkte in ihrem Kommentar, dass sie kein allzu umfassendes Wissen über die Lage auf der Krim habe. Wir werden sie daher in die Ukraine schicken, um ihr die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Bild vom Epizentrum der Geschehnisse zu machen“, hieß es bei „Russia Today“. Ob man das als Maßregelung verstehen soll?

          Quelle: F.A.Z.

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