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Rufmord Ein Triester Krimi

23.02.2009 ·  Der deutsche Schriftsteller Veit Heinichen ist in seiner Wahlheimat Triest zum Opfer einer Rufmord-Kampagne geworden. Die Motive des Täters sind unklar, doch das Leben des prominenten Krimi-Autors ist zum Albtraum geworden.

Von Dirk Schümer, Venedig
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Der deutsche Schriftsteller Veit Heinichen ist an seinem Wohnort Triest zum Opfer einer Rufmordkampagne geworden. Heinichen hat mit seinen Proteo-Laurenti-Krimis, die auch fürs Fernsehen verfilmt wurden, in Deutschland und Italien Bestseller geschrieben. Im Auftrag der Polizei hatte der Autor über viele Dutzende von anonymen Briefen schweigen müssen, die ihn seit Januar vergangenen Jahres in Triest bei Behörden, Vereinen, Geschäfts- und Privatleuten als vermeintlichen Päderasten verleumdeten.

Nun sind die Behörden gemeinsam mit dem Autor in die Offensive gegangen und haben im Triestiner Lokalblatt „Il piccolo“ den Albtraum eines Autors, der aus einem von Heinichens Büchern zu stammen scheint, öffentlich gemacht. Die Geschichte wirkt wie aus einem Kriminalroman, handelt aber von realen Vorgängen. Der Autor spricht in seinem Beitrag vom „Schatten“, der es darauf angelegt habe, sein Leben zu zerstören.

Erfolglose Fahndung

Der Rufmörder bezichtigte Heinichen wahllos, mit erfundenen Details päderastischer Delikte; überhaupt sei der Umzug des Autors nach Italien 1997 eine Flucht vor der deutschen Justiz gewesen. Alle diese Beschuldigungen, die mit falschen Aktenzeichen oder fiktiven Zitaten untermauert waren, konnten die Ermittler schnell als haltlos widerlegen. Die Suche nach dem Täter, der seit über einem Jahr alle vierzehn Tage systematisch ausführliche Rundschreiben verschickt, erwies sich indes als höchst kompliziert.

Der „Schatten“ begann bald, sogar im Namen Heinichens Briefe und Leserbriefe zu schreiben, hinterließ in seiner Korrespondenz – vierzig Briefversionen wurden bislang beschlagnahmt – jedoch niemals einen Fingerabdruck oder auch nur eine DNA-Spur. Bis heute stehen die Fahnder angesichts der Professionalität des anonymen Autors, der ein literarisches Italienisch schreibt und über alle Details von Heinichens Romanen auf dem Laufenden ist, vor einem Rätsel. Ein Screening des Umfelds Heinichens blieb ohne Ergebnis, was – wie in einem Krimi – die Frage nach einem Motiv ins Spiel bringt.

Politische Motive?

Veit Heinichen benutzte in seinen Romanen Triest stets als Synonym für europäische Missstände, von illegaler Einwanderung über Menschenhandel bis zu Waffen- und Drogenschmuggel. Und er stellte Bezüge zur Korruption vor allem lokaler Politeliten her. Darüber hinaus engagierte er sich im Wahlkampf kommunalpolitisch für die Linke und nahm – unentgeltlich – Sitz in zwei regionalen Landesentwicklungsgesellschaften.

Mit seiner Kritik an Seilschaften und Missständen wurde er in Triest und darüber hinaus zur umstrittenen Figur. Im Gespräch mit dieser Zeitung über die „anonyme Fatwa“ stellt Heinichen nun die Frage, ob seine politischen Aktivitäten mit der Rufmordkampagne zu tun hätten, ob hier vielleicht kein Einzeltäter, sondern eine interessierte Gruppe am Werk sein könnte. Immerhin ist ein Fall, in dem ein Krimiautor mit kriminellen Methoden vom Territorium seiner literarischen Ermittlungen verjagt werden soll, in der europäischen Literatur ohne Vorbild.

Für das Leben und Arbeiten des Schriftstellers ist der Albtraum nicht vorbei; die Fahndung geht weiter. Heinichen hat inzwischen Solidaritätsbekundungen von etlichen schreibenden Kollegen aus Italien erhalten. Rechte Politiker in Triest distanzierten sich vehement von der Vermutung, es könnten sich politische Gründe hinter der Rufmordkampagne verbergen. Heinichen verkündete unterdessen, wenn es das Ziel gebe, ihn aus Triest zu vertreiben, werde dies scheitern: Er bleibe in seiner Stadt.

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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Wien.

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