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Rückzug : Peter Handke verzichtet auf den Heine-Preis

  • Aktualisiert am

Den Schiller-Preis nahm er 1995 an - den Heine-Preis nun nicht Bild: picture-alliance / dpa

Der unwürdigste Streit, den es um einen deutschen Literaturpreis seit vielen Jahren gegeben hat, ist vorüber: Peter Handke verzichtet auf den Heine-Preis. Das angekündigte Thema seiner Dankesrede ist indessen keineswegs vom Tisch.

          Während Düsseldorfs Kommunalpolitiker noch darüber streiten, wer nun eigentlich den Heine-Preisträger bestimmen darf, der Stadtrat oder die von ihm berufene Jury, hat der Preisträger die Konsequenz aus den Vorgängen der letzten Wochen gezogen: Peter Handke verzichtet auf den Heine-Preis.

          Den Brief an den Oberbürgermeister der Stadt, in dem der Schriftsteller die Gründe für seine Entscheidung darlegt, dokumentieren wir zusammen mit Joachim Erwins Antwortschreiben hier: Je refuse! Ein Briefwechsel. Nachdem Erwin erklärt hat, der Preis solle nun in diesem Jahr überhaupt nicht vergeben werden, ist endlich ein Schlußstrich möglich: Der unwürdigste Streit, den es um einen deutschen Literaturpreis seit vielen Jahren gegeben hat, ist damit vorüber.

          Ein Fehler nach dem anderen

          An seinem Anfang steht eine Jury, die einen schweren Fehler nach dem anderen begangen hat. Sie trägt den größten Teil der Verantwortung für das Debakel. Die Entscheidung für Peter Handke war falsch und angreifbar, aber sie wurde vor allem angegriffen, weil die Begründung nur zwei knappe Sätze umfaßte, die gezielt den Eindruck erweckten, Handke solle für seine politische Haltung zu Serbien und dem Diktator Milosevic ausgezeichnet werden. Diese Provokation rief neben öffentlicher Kritik auch die Politik auf den Plan.

          Ein unglaubliches Schauspiel folgte. Juroren distanzierten sich von der gemeinsam getroffenen Entscheidung und verteilten Schuldzuweisungen, so daß zwei Mitglieder des Gremiums schließlich zurücktraten, während Düsseldorfs Kommunalpolitiker ankündigten, auf seiner nächsten Sitzung werde der Stadtrat die Entscheidung der Jury aufheben. Damit war der Streit um die Stellung unabhängiger Jurys im deutschen Literaturbetrieb entbrannt, und die Debatte hatte das Niveau des Jahres 1960 erreicht, als der Bremer Senat dem Autor der „Blechtrommel“ den Bremer Literaturpreis verweigerte, weil man angesichts einiger anstößiger Stellen im Roman eine unangenehme Diskussion um den Preisträger Günter Grass befürchtete.

          In dieser Situation mutet es wie bittere Ironie an, daß allein Peter Handke in der Lage war, dem würdelosen Treiben ein würdiges Ende zu setzen. Er verzichtet auf einen Preis, der ihm weder hätte zugesprochen noch nach der Zusprechung wieder hätte entzogen werden dürfen. Das angekündigte Thema seiner Dankesrede, der Unterschied zwischen literarischer und journalistischer Sprache, wie Peter Handke ihn sieht, ist mit dieser Absage des Schriftstellers indessen keineswegs vom Tisch. Wenn Handke sich mißverstanden fühlt, ist er als erster dazu berufen, das Mißverständnis auszuräumen. Wann immer dieser Schriftsteller die Öffentlichkeit gesucht hat, wußte er sie auch zu finden.

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