23.03.2004 · Der langjährige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, legt sein Amt nieder. Ihm war vorgeworfen worden, Firmen in Sportsendungen plaziert zu haben, die Kunden der Media-Agentur seiner Frau sind.
Jürgen Emig, bis Dienstag Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), hat sich gerne so gesehen: als Chef einer Sportredaktion, den Not erfinderisch macht, der Berichterstattung trotz knapper Etats nicht scheitern läßt. Man muß sich nur zu helfen wissen - und die Produktionskosten auf andere Schultern verteilen, auf Veranstalter, Verbände, Vereine. Damit alle auf ihre Kosten kommen, der Sender, das Publikum, der Sport.
Und Herr Emig? Den Vorwurf persönlicher Vorteilsnahme weist er zurück, ja, nicht einmal Interessenkonflikte durch das Agenturgeschäft seiner Frau, der früheren HR-Mitarbeiterin Atlanta Killinger, oder durch Aktivitäten mit ihm verbandelter freier Unternehmer aus der Medienbranche habe es je gegeben. Die Leitung der Abteilung "Sport Radio-TV" des HR hat der bekannte Radsportfachmann dennoch abgegeben.
Produktions- und Personalkosten
Zunächst führt Manfred Krupp, Fernseh-Chefredakteur der hessischen Anstalt, kommissarisch die Redaktion. Emig habe um seine Ablösung gebeten, "um angesichts der laufenden Presseveröffentlichungen von sich selbst und vom Hessischen Rundfunk weiteren Schaden abzuwenden". Er werde innerhalb der Fernsehdirektion des HR andere Aufgaben übernehmen. Zuletzt moderierte Emig mit Olympiasiegerin Katarina Witt die ARD-Übertragung von den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Dortmund. Der federführende WDR berief Emig ab und schickte Claus Lufen ins Rennen.
Zu den "laufenden Presseveröffentlichungen" zählte unter anderem ein Bericht des "Focus", in dem Emig konkret vorgehalten wurde, bei einem Fußball-Privatspiel zwischen Bayern München und dem FC Liverpool anläßlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt Fulda im Sommer 1994 nicht nur Produktions-, sondern auch Personalkosten fremdfinanziert haben zu lassen.
Angeblich gängige Praxis
Die seltsame, aber angeblich nicht nur im Bereich des Hessischen Rundfunks geübte Praxis, kleine Veranstalter für Leistungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zahlen zu lassen, bringt Emig mehr und mehr unter Druck. Und beim Sender wird nicht nur dieser Vorgang, wie zu erfahren ist, noch überprüft. Auch beim Tischtennisturnier "European Top 12" Anfang Februar in Frankfurt sollen Personalkosten eingefordert und bezahlt worden sein. Hans Wilhelm Gäb, der Ehrenpräsident, berichtet aus dem Vorstand des Deutschen Tischtennis-Bundes von "sehr unangenehmen" Verhandlungen mit dem HR-Sportchef.
Nach dem Abgang Emigs mehren sich Stimmen, aus dem Sport wie aus der Fernsehbranche, die zweifelhafte Methoden beklagen. Eine interne Revision hatte schon der frühere HR-Intendant Klaus Berg veranlaßt. Emig blieb damals auf seinem Posten. Intendant Helmut Reitze hat neue Ermittlungen aufgenommen. Auf Druck des Hessischen Landessportbundes beschäftigt sich zudem der Rundfunkrat mit dem Vorgang.