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Rückgabeforderung Indiana Jones jagt Nofretete

24.01.2011 ·  Der Mann hat Sinn für Donnerschläge: Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, hat erneut gefordert, die Nofretete-Büste an Ägypten zurückzugeben. Ein offizielles Rückgabe-Ersuchen ist der Vorstoß nicht.

Von Dieter Bartetzko
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Zahi Hawass, der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, teilte gestern mit, an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sei ein Schreiben gesandt worden, in dem die Rückgabe der Nofretete-Büste in Berlin an Ägypten gefordert würde. Er betonte, Ägyptens Ministerpräsident Ahmed Nasif und Kulturminister Faruk Hosni unterstützten die Forderung.

Wie seit Jahren erklärte er auch diesmal, die 1912 von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchardt in Tell el-Amarna entdeckte Büste sei 1913 durch ein Betrugsmanöver nach Deutschland gelangt. Borchardt habe sie mit Tonerde beschmiert, um den Antikeninspektor, der die zwischen beiden Staaten vereinbarte Fundteilung beaufsichtigte, über ihren Wert zu täuschen.

Rechtmäßige Besitzer?

Auf die Stellungsnahme von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der im Mai 2010 erklärt hatte, dass die Nofretete 1913 begutachtet und deshalb rechtmäßig an Deutschland übergeben worden sei, ging Hawass nicht ein, würdigte aber die Bemühungen der Bundesrepublik um den Erhalt der Büste und sprach von den „ausgezeichneten Beziehungen“ zwischen Berlin und Kairo. Nun aber müsse Nofretete ihrem „rechtmäßigen Besitzer, dem ägyptischen Volk“ zurückgegeben werden.

Vom Zeitpunkt des Vorstoßes dürften Hermann Parzinger, Bernd Naumann und die zuständigen deutschen Institutionen vielleicht überrascht sein, nicht aber vom Eifer des Altertümerverwalters, seinem Sinn für Spektakuläres und gewagte Spekulationen. So ließ denn auch der Kulturstaatsminister mit der gebotenen Gelassenheit mitteilen, besagtes Schreiben sei nur von Hawass unterschrieben.

Da weder Ägyptens Ministerpräsident noch andere Regierungsmitglieder es unterzeichnet hätten, gebe es kein offizielles Rückgabe-Ersuchen. Vom Sinn des obersten Altertümerverwalters für Donnerschläge kann sich ab Februar die bundesdeutsche Öffentlichkeit in der Serie „Der Mumienjäger“ des „History Channel“ überzeugen. Für sie posierte Titelheld Zahi Hawass in Stetson, Jeans und Cowboystiefeln als Doppelgänger des populären fiktiven Archäologen und Schatzsuchers Indiana Jones.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Feuilleton.

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