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Royal Geographical Society Fadfinder im Geiste von Queen Victoria

19.05.2009 ·  Die Royal Geographical Society hat beschlossen, künftig auf Expeditionen zu verzichten. In der Gelehrtengesellschaft streiten die Realisten mit den Romantikern - und beide Seiten berufen sich auf die von Königin Viktoria 1859 gewährten Statuten.

Von Gina Thomas
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Die Porträts von Forschern wie David Livingstone oder Ernest Shackleton zieren die Wände der Royal Geographical Society in Kensington. Ihre Namen beschwören Triumphe und heldenhafte Niederlagen, die synonym sind mit Britanniens Weltreich. Gewiss ist es auch der verlorene Glanz dieser Epoche, dem die Romantiker unter den Mitgliedern nachtrauern, wenn sie der Gelehrtengesellschaft jetzt vorwerfen, sich mit dem Verzicht auf große Expeditionen von der Tradition abzuwenden.

Der Polarforscher Pen Hadow gehört zur lautstarken Lobby, die auf die Bedeutung multidiziplinärer Projekte für das Verständnis der sich verändernden Welt hinweist. Sie ficht den neuen Kurs der Gesellschaft an, ihre Mittel in kleinere Feldprojekte und, wie Kritiker einwenden, trockene akademische Berichte zu investieren. Hadow bemängelt, dass die Gesellschaft von der „heroischen Epoche des Machismo“ direkt zur Computertechnologie übergegangen sei. Datenverarbeitung aber könne die am Ort gewonnenen Erkenntnisse nicht ersetzen - wie seine jüngst durch einfaches Bohren gesammelten Beobachtungen über das Abschmelzen des Polareises zeigten.

Romantiker gegen Realisten

Die Leitung der Royal Geographical Society hingegen beruft sich auf den Zeitenwandel. Früher galt es, die Welt zu kartographieren. Inzwischen aber sei mehr Spezialisierung notwendig. Für den Afrikaforscher Colonel John Blashford-Snell belege die Umbenennung des „Expeditionary Advisory Centre“ in „Geography Outdoors“ schon die Anpassung an den Zeitgeist. Auf der Gegenseite mokiert sich der Philanthrop Christopher Ondaatje über die Anhänger der alten Schule, die in Khaki-Uniform Pfadfinder spielen wollen. Beide Parteien berufen sich auf die Statuten der Gesellschaft, wie sie Königin Viktoria 1859 gewährte.

Jene Passage, die auf den „Beitrag zum Fortschritt der geographischen Kenntnis durch die Ausführung, auf eigene Kosten, von verschiedenen wichtigen Expeditionen in allen Erdteilen“ abstellt, wird vom jetzigen Regime übersehen. Bei einer Abstimmung sind die Romantiker jetzt den Realisten mit 2590 zu 1607 Stimmen unterlegen. Sie werden sich trösten müssen mit T. S. Eliots „Little Gidding“: „Lasse nie vom Suchen ab, und doch, am Ende all unseren Suchens, sind wir am Ausgangspunkt zurück und werden diesen Ort zum ersten Mal erfassen.“

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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