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Romantik-Museum Frankfurt Wie konnte das geschehen?

 ·  Frankfurt hatte das Land Hessen, den Bund und das Ausland für sein Romantik-Museum begeistert. Nun soll der Plan Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. Das wäre eine gravierende Fehlentscheidung.

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© Goethe-Museum Vergrößern Wer erweckt sie nun zu neuem Leben? Ludwig Emil Grimms Porträt der Bettine Brentano

Am Telefon herrscht Schweigen, Hilmar Hoffmann ist sprachlos. Das geschieht dem legendären ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt Frankfurt nicht oft, der sich wie kein anderer darauf verstand, die Kunst mit den Menschen und die Menschen mit der Kunst ins Gespräch zu bringen. Für die Empfehlung der Frankfurter Haushaltskommission, sich von den Plänen für das Romantik-Museum zu verabschieden, hat Hoffmann keinerlei Verständnis. Doch die Weichen sind gestellt: Die einzigartige Sammlung zur Kunst und Literatur der Romantik, die das Freie Deutsche Hochstift zusammengetragen hat, soll auch künftig im Keller des Goethe-Museums vor sich hin modern. Und der Große Hirschgraben Nummer 23, mithin der Ort, an dem am 28.August 1749 Johann Wolfgang Goethe auf die Welt kam und die ersten Lebensjahre verbrachte, soll weiterhin im Frankfurter Hochhäusermeer sein Schattendasein führen. Wie konnte das geschehen?

Noch vor wenigen Wochen hatte Hilmar Hoffmann die Stadt daran erinnert, dass sie ihre bundesweite kulturelle Vorbildfunktion „nie mehr aus den Augen verlieren“ dürfe. Gerade wegen ihrer ehrgeizigen Investitionen in die kulturelle Infrastruktur suche Frankfurt seinesgleichen in Europa. Mit der Entscheidung gegen das Romantik-Museum setzt die Stadt genau das aufs Spiel. Das hat auch mit Peter Feldmann zu tun. Denn der neue Oberbürgermeister ließ seit seiner Amtsübernahme selten eine Gelegenheit aus, sein Desinteresse an Kunst und Kultur zu demonstrieren. Das tut er vermutlich auch, um sich von seiner CDU-Vorgängerin Petra Roth abzusetzen. Wie er sein Profil schärfen will, muss er selbst wissen. Aber jetzt wird im Zuge parteipolitischer Ränkespiele eine historisch einmalige Chance leichtfertig vergeben.

Vier Jahre Kampf um Hinweisschilder

Schon am Donnerstag hatte Peter Feldmann die kulturelle Eiszeit anklingen lassen: Der Eintrittspreis für das Theater müsse erhöht werden, das Romantik-Museum ohne städtische Unterstützung auskommen. Diese Niederlage trifft den Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU) besonders hart, der schon mit der Erweiterung des Museum der Weltkulturen gescheitert ist. Hier nun wird ihm ein Projekt gestrichen, wofür das Land und auch der Bund bereits finanzielle Unterstützung zugesagt hatten.

Ist es ein Fluch, der auf der Beziehung der Stadt zu ihrem berühmtesten Sohn liegt? Oder hat man ihm bis heute nicht verziehen, dass er nach der Fertigstellung des „Werther“ seinem Geburtsort den Rücken kehrte? Mehr als hunderttausend Besucher kommen jedes Jahr aus dem Ausland ins Goethehaus, aber längst nicht jeder Frankfurter Taxifahrer kennt die Adresse. Und die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Anne Bohnenkamp, musste vier Jahre lang um Hinweisschilder auf das Goethehaus in der City kämpfen.

Goethe war ein Romantiker

Ein Museum der Romantikbewegung gibt es in Deutschland bislang nicht. Dabei wird gerade im Ausland die Epoche der Empfindsamen, Träumerischen und Visionären so sehr mit Deutschland in Verbindung gebracht, wie sonst nur Wagner und der Schwarzwald. Die Bestände des Hochstifts, das seit hundert Jahren Gemälde, Handschriften und Reliquien vor allem aus der Romantik sammelt, sind prädestiniert für einen romantischen Erinnerungsort unweit des Rheins. Warum sollen auch künftig nur einige wenige Wissenschaftler mit Forschungsauftrag in den Keller am Großen Hirschgraben hinabsteigen dürfen, um Schätze wie Schlegels Fragmente zur Universalpoesie, Brentanos Loreley-Autograph oder Bettine von Arnims mit Zeichnungen geschmückte Briefe zu sehen? Die Romantik ist eine Schlüsselphase der europäischen Kulturgeschichte, die überraschende Parallelen zu unserer Zeit aufweist, etwa in der Neigung zum medialen Crossover. Das romantische Prinzip von Empathie und Ironie, von Identifikation und Verfremdung ist uns heute bestens vertraut.

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