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Romanisch reden : Und wie das funktioniert!

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Für diese besondere Woche kommen sie aus aller Herren Länder: Das Dorf Sent spricht romanisch, und die Schüler lernen mit. Bild: Andreas Overath

Man spricht kein Deutsch: Ein Dorf im Engadin wird für eine Woche zum Klassenzimmer für Menschen aus der ganzen Welt, die Romanisch lernen wollen.

          Allegra! (eine Kurzform von „Dass Gott uns erfreue!“) lautet der Gruß im Engadin. Das Tal des jungen Inn mit seinen Seelandschaften und Schluchten ist die bekannteste Region Graubündens, des einzigen Kantons der Schweiz, in dem drei Sprachen gesprochen werden: Deutsch, Italienisch und Romanisch. Im Engadin, einer der höchsten bewohnten Regionen Europas, hört man gleich zwei der fünf bündnerromanischen Idiome: im Oberengadin Puter, im Unterengadin Vallader. Hier liegt, wenige Kilometer von Österreich entfernt und mit Blick auf die Berggipfel Italiens, das Dorf Sent, eine alte Hochburg der romanischen Sprache.

          Die Zugdurchsage verkündet: „Fermada sün dumonda“ – Halt auf Verlangen. Wer aussteigen möchte, muss auf einen Knopf drücken. Doch Scuol-Tarasp ist ohnehin die Endstation. Mit dem Postauto fährt man an Wiesen entlang auf eine Sonnenterrasse hinauf: Sent Sala, Sent Plaz. Nun sind wir auf 1440 Metern und im Herzen des Vallader.

          Ein Gesellschaftsspiel beginnt

          Unter dem Motto „A Sent be rumantsch!“ (In Sent nur Romanisch!) wird dieses Dorf im November zum Klassenzimmer für vierzig internationale Sprachschüler. Sie interessieren sich für eine Kleinsprache, die mit ihren rätischen und keltischen Wurzeln älter ist als das Latein. Das Konzept der Woche verbindet einen immersiven Sprachkurs mit einem homestay (die Idee kam aus Amerika ins Tal). Vormittags findet in Zimmern des Gemeindehauses und im Pfarrhaus klassischer Sprachunterricht statt. Nachmittags gibt es Ausflüge oder Workshops, Treffen in der „Grotta da cultura“ (dem kleinen Veranstaltungsraum des Dorfes mit Bar), abends ein Konzert, einen Film.

          Die Sprachschüler leben in Senter Familien, beim Schreiner, beim Lehrer, bei der schönen alten Schauspielerin oder der sechsköpfigen Bauernfamilie. Sie sitzen mit am Küchentisch, gehen in den Stall, lernen in der Arvenholzstube ihre Vokabeln. Und vermeiden jedes nichtromanische Wort. Denn wer sich auf „A Sent be rumantsch“ einlässt, muss feierlich schwören, in diesen Tagen ausschließlich Romanisch zu sprechen. Das gilt auch für Anfänger. Und ein Gesellschaftsspiel beginnt.

          Sonntag, 6. November. Eine Schneenacht. Gegen 19 Uhr stapfen Senter Familien ins Gemeindehaus; angereiste Gäste kommen mit Taschen und Koffern. Im zweiten Stock vor dem Eingang in den großen Saal hat Cla, ein pensionierter Lehrer in sportlichen Funktionswanderhosen, schon einen Tisch mit Namensschildchen vorbereitet. Er kennt seine Sprachgäste; sie haben sich bei ihm über die Website von Sent angemeldet, und er hat mit ihnen übers Jahr hin korrespondiert. Sie wuchsen an seinen Rundmails, die er verschickte: erste Konjugationstabellen, kulturgeschichtliche Hinweise und Ankedoten, Neuigkeiten aus dem Dorf, die Karte mit den Namen der Berge, die man von Sent aus sehen kann. Gianna-Bettina, Lehrerin, und Cristina, Logopädin und Hauptorganisatorin der Gruppe, verteilen den Ansteckknopf mit dem Logo von „A Sent be rumantsch“. Während der Immersiv-Woche tragen die Senter den blauroten Sprechblasen-Button und geben sich als Teilnehmer des Spiels zu erkennen.

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