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Rom Der Plattmacher

02.05.2008 ·  Roms neugewählter Bürgermeister Giorgio Alemanno erwägt die Beseitigung umstrittener Baumaßnahmen. Offenbar ist Mussolini ein Vorbild für Alemanno, wenn er nun gar über den Abriss von Richard Meiers Museumsgebäude für den augustäischen Friedensaltar „Ara Pacis“ sinniert.

Von Dirk Schümer
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Roms neugewählter Bürgermeister Giorgio Alemanno, der der postfaschistischen „Alleanza nazionale“ angehört, erwägt die Beseitigung umstrittener Baumaßnahmen aus dreißig Jahren linksliberaler Stadtregierung in Rom. Dass er und sein Anhang mit der Moderne ihre Probleme haben, ist eigentlich merkwürdig, denn gerade Benito Mussolini ließ in Rom ganze Stadtviertel neu und viereckig errichten. „Rationalismus“ nennt man diesen diktatorischen Stil heute eher verschämt und unzutreffend.

Auch das sorgsam freigeschaufelte Forum Romanum, in dem alle Welt die Relikte antiker Tempel- und Thermenherrlichkeit bewundert, ist ein Werk Mussolinis, der die darüberliegenden Mietshäuser kurzerhand abreißen ließ. Offenbar ist der große Demolator ein Vorbild für Alemanno, wenn er nun gar über den Abriss von Richard Meiers Museumsgebäude für den augustäischen Friedensaltar „Ara Pacis“ sinniert. Als der linke Vorgänger Veltroni das edle neue Futteral aus Stein und Glas vor drei Jahren nach langer Bauzeit einweihte, forderte die „Alleanza nazionale“ lautstark den sofortigen Abriss des überaus beliebten Museums, auch weil der Neubau eine Konstruktion aus faschistischer Zeit ersetzte.

Andere Themen haben Priorität

Die weltberühmten reliefierten Blöcke des Altars, mit dem die Augustus-Sippe einst das Wirken ihres Chefs verklärte, waren ihrerseits erst unter Mussolini mit modernster Technik aus den Fundamenten römischer Palazzi gehoben und flugs zum Symbol der Anknüpfung an das antike Imperium deklariert worden. Während sich Richard Meier gelassen zu einem Gespräch bereit erklärte, ließ Neubürgermeister Alemanno verlauten, im Augenblick hätten andere Themen Priorität: Kriminalität, Zuwanderung, Ausweisung. Ob sich bei einem derart rigiden Bürgermeister eine „Pax Romana“ mit der modernen Architektur finden lässt?

Man könnte Alemanno auch anspornen, denn es gibt da durchaus Bauten, die sogar nach Ansicht ausländischer Romliebhaber Silhouette und urbanes Gefüge der Ewigen Stadt erheblich verunstalten – allen voran der „Altar des Vaterlandes“, jenes unselige Mausoleum des Königs Vittorio Emanuele, das als riesige marmorne „Schreibmaschine“ in bester Innenstadtlage vom schlechten Geschmack der piemontesischen Savoyer zeugt. Zu denken wäre auch ans Olympiastadion, dessen kühl-sachliche Sportstätten bis heute Initialen und Lobsprüche Mussolinis verunzieren. Warum da umständlich renovieren und restaurieren, wenn es auch Bagger und Birnen gibt? In Roms neuer Bausubstanz gibt es, bevor es der „Ara Pacis“ an den Kragen geht, für einen Abrissbürgermeister in der Tat Wichtigeres zu tun.

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