Home
http://www.faz.net/-gqz-13jaf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rolf Hochhuth Sommer ’09

14.08.2009 ·  Hat sich der eine zu spät gemeldet, oder ist der andere „ein unanständiges Lebewesen“? Rolf Hochhuth streitet mit Claus Peymann, der ihm den Probenzugang zum Berliner Ensemble verwehrte, auf eine peinlich bürokratische und bubenhafte Weise.

Von Irene Bazinger
Artikel Lesermeinungen (0)

Lassen wir einmal die Frage beiseite, ob Rolf Hochhuth ein großer Dramatiker ist. Halten wir einfach fest, dass er eine Weile wegen seines „Stellvertreters“ weltberühmt war, dass er inzwischen fast achtzig Jahre alt ist, ein verdienstvoller Aufklärer, kein Depp und kein Sittenstrolch. Durch seine Ilse-Holzapfel-Stiftung ist er Inhaber der Immobilie des Theaters am Schiffbauerdamm und insofern – über den Berliner Senat – Vermieter für Claus Peymann, der es als Intendant des Berliner Ensembles bespielt.

Laut Vertrag darf Hochhuth jeden Sommer fünf Wochen lang die Bühne auf eigene Kosten nutzen – wenn er das Projekt rechtzeitig anmeldet. Rechtzeitig heißt mehr als ein Jahr im voraus: Für sein Stück über den Ersten Weltkrieg, „Sommer 14“, das er Ende August im Berliner Ensemble herausbringen möchte, wäre das im Frühjahr 2008 gewesen. Und nun wird die Angelegenheit unübersichtlich: Peymann sagt, Hochhuth habe sich zu spät gemeldet. Hochhuth sagt, Peymann lüge und sei ein „unanständiges Lebewesen“. Wir fragen uns erstaunt, kennen die Herrschaften die Telefonnummer des Vertragspartners nicht und müssen sich bürokratischer als Bürokraten benehmen?

Zankende Buben

Peymann sagt, das Haus muss während der Theaterferien renoviert werden. Hochhuth sagt, nichts werde da renoviert, Peymann wolle ihm den Zugang zum eigenen Haus dreist verweigern. Der eine will den anderen vor die Tür setzen – man weiß kaum noch, wer wann wen. Bloß, dass es fast alle Jahre wieder geschieht: eine Peinlichkeit ersten Ranges. Peymann (72) und Hochhuth (78) gebärden sich wie zankende Buben, wobei der Bub Peymann jetzt vor Gericht formal recht bekommen hat, worauf der Bub Hochhuth sofort die „fristlose Kündigung“ des Buben Peymann verkündete.

Der Regierende Bürgermeister Wowereit und sein Kulturstaatssekretär Schmitz aber unternehmen nichts, um die unseligen Streithanseln zu besänftigen und die Würde eines Hauses, eines Intendanten und eines Autors zu schützen. Schließlich will Hochhuth die Bühne nicht zweckentfremden. Niemand wird behaupten, dass es in Berlin nur grandiose Theateraufführungen gibt, warum also Hochhuth nicht mal den Autor als Regisseur spielen lassen? „Mach mer mal ’ne Pinkelpause“, schlägt Kaiser Wilhelm zwo in „Sommer 14“ vor. Vielleicht sollten das die Kontrahenten bei der Schlacht ums Berliner Ensemble auch tun. Vielleicht fänden sie ja dabei zu einer friedlichen Koexistenz zurück.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr