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Roland Koch Der Geschäftsführer seiner selbst

18.01.2009 ·  Es war ein eher angenehmes Jahr mit Roland Koch. Was daran liegt, dass der nach seiner Wahlniederlage leise und nachdenklich gewordene Politiker eher wie ein Geschäftführer seiner selbst auftrat, meint Stefan Niggemeier.

Von Stefan Niggemeier
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Jörg-Uwe Hahn, der Spitzenkandidat der hessischen FDP, sagt über Roland Koch: „Er ist ein hochintelligenter, rhetorisch begabter Mensch, der sehr gut analysiert. Er versprüht manchmal nicht den Charme, den man von einem Politiker erwartet, der von den Menschen wirklich gemocht wird.“ Man muss sich, um die Erniedrigung würdigen zu können, die in diesen Sätzen steckt, dazu Jörg-Uwe Hahn vorstellen, was naturgemäß schwerfällt, weil bei ihm das Äußere eines Verwaltungsfachangestellten mit der Ausstrahlung eines abgehefteten Knäckebrotes zusammenkommt. An Kochs Stelle würde ich die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der FDP davon abhängig machen, dass Herr Hahn verspricht, keine öffentlichen Erklärungen über seine Charmesprühfähigkeiten mehr abzugeben.

Andererseits passt das natürlich ganz gut zum neuen leisen, nachdenklichen, menschlichen Roland Koch, der sich dieser Tage in der Öffentlichkeit präsentiert, dass man sich bei der Frage ertappt, ob man nicht sogar Mitleid haben muss mit ihm, dem Armen, mit seinem Menschenherzen-Eroberungsdefekt, und es nicht einmal hilft, wenn er es nur mit den Charismen von Thorsten Schäfer-Gümbel oder eben Jörg-Uwe Hahn aufnehmen muss. Kochs mangelnde Flauschigkeit beherrschte auch die Vorwahlberichterstattung von RTL, die im Wesentlichen aus der siebenminütigen Sendung „Nachtjournal Spezial: Unterwegs mit Roland Koch“ bestand, die der Sender um kurz vor halb eins in der Nacht ausstrahlte und die verblüffenderweise bis ins Detail ihrer eigenen Parodie entsprach.

Sein eigener Geschäftsführer

Es war eigentlich, aus Medienkonsumentensicht, ein angenehmes Jahr mit Koch als geschäftsführendem Ministerpräsidenten, der irgendwie regieren durfte oder musste, aber einen nicht dauernd mit seinem Gesicht im Fernsehen behelligte. Auch er selbst scheint gelegentlich genervt, dass er sich jetzt pro forma doch wieder mit irgendwelchen SPD-Kandidaten herumschlagen muss und dabei nicht einmal mehr aggressiv sein darf, sondern demütig wirken muss. Es wirkt, als sei er auch nicht mehr Roland Koch, sondern nur noch der geschäftsführende Roland Koch.

Es ist eine unvergnügliche Veranstaltung, diese Bonuswahl, und spätestens, wenn man dann wieder einen Abend die hilflosen Berichterstattungsversuche des Hessischen Rundfunks verfolgt hat, wird man die Politiker doppelt verfluchen, die sie uns eingebrockt haben.

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