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Richtfest in Berlin Die Box kommt

Ein Vorgeschmack auf das derzeit eingefrorene Humboldt-Forum: In Berlin wurde Richtfest für die Humboldt-Box gefeiert - ein Provisorium, das die zeitgemäße Form kulturstaatlichen Scheiterns repräsentiert.

Was in der Sprache der Bundeskulturpolitik ein „Sichtbares Zeichen“ sei, glaubte man zu wissen: So soll, wenn es da ist, das Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung im Berliner Deutschlandhaus einmal heißen. Gestern Nachmittag feierte nun aber ein zweites sichtbares Zeichen Richtfest in Berlin – eines, das, im Unterschied zum ersten, tatsächlich sichtbar und bis zum Spätherbst sogar fertig ist.

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Die Humboldt-Box am Lustgarten, ein mehrstöckiges Stahlbetonerzeugnis der Firma Megaposter aus Neuss, vertritt das vom Bundesbauminister aus der Haushaltsplanung vertriebene Humboldt-Forum im Berliner Schloss, und, wenn nicht alles täuscht, wird die Box ein Erfolg. Nicht weil sie so schön oder so funktional wäre. Sondern weil sie die zeitgemäße Form kulturstaatlichen Scheiterns ist: das Provisorium.

Der Genius des Ortes ist rollrasengrün

Vier Stockwerke plus Cafeteria plus Aussichtsplattform, das kann sich sehen lassen, auch wenn die stählern-transparente Außenhaut der neokubistischen Großschachtel wohl vor allem als Werbefläche dienen wird. Aber was sieht man, wenn man von den Caféterrassen und Aussichtsplattformen herunterschaut? Den Rollrasen, der die Fundamente des Hohenzollernschlosses und die Betonwanne des Palasts der Republik bedeckt. Dahinter die Spree. Und dahinter wieder Rasen. Das ganze große grillplatzgrüne Berlin.

Dies eben sei der Genius des Ortes, sagte Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auf dem Richtfest: dass man die Hauptstadt nun endlich so sehen könne, wie sie vom Humboldt-Forum aus aussehen würde. In diesem Sinn wäre die Humboldt-Box die Antwort der Geschichte auf die Plakatfassade von 1993, mit der das Schlossprojekt ins Rollen kam: Wo diese eine Ansicht simulierte, täuscht jene eine Aussicht vor. Im Inneren der grauen Hülle soll dann die Vision vom Weltkulturenmuseum ausgepackt werden, deren schwankende Konturen es den Provinzköpfen in der Regierungskoalition leichtgemacht haben, den Schlossbau zu hintertreiben.

Wenn Provisorien erst Wurzeln schlagen

Wenn erst einmal alle gesehen haben, was hier Großartiges entstehen soll, dann, so hofft man, werde sich das Humboldt-Forum auch wieder durchsetzen lassen. Aber Provisorien folgen nicht immer dem Kalkül ihrer Gründer. Haben sie erst einmal Wurzeln geschlagen, wird es schwer, sie wieder loszuwerden. Auf der Box ruhen jetzt die Hoffnungen für das Berliner Schloss. Gerade deshalb muss man aufpassen, dass es nicht eines Tages in ihr verschwindet.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.07.2010, 17:44 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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