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Reinhold Messner : Die Einmannsekte

Als würde er Audienz halten: Es dauert eine Weile, mit Reinhold Messner ins Gespräch zu kommen Bild:

Der Bergsteiger Reinhold Messner ist sein eigener Entwurf geworden. Es gibt niemanden, mit dem er sich noch messen kann, neben ihm ist kein Platz. Das macht ihn zu einem Einzelgänger. Ein Ausflug in die Einsamkeit des Systems Messner.

          Reinhold Messner steigt an diesem Tag aus einem silberfarbenen Mercedes. Der Parkplatz von Schloss Juval bei Meran ist um neun Uhr morgens ganz leer, am Himmel keine Wolke. Die Landschaft hüllt sich in einen blassen Ton, als würde sie noch schlafen. Reinhold Messner trägt Wanderschuhe, eine leichte Hose, eine Fleecejacke und um den Hals einen tibetischen Dzi-Stein, Glücksbringer der Buddhisten. Er streckt mir die Hand entgegen, er lächelt nicht, er sagt: „Und wir gehen jetzt ein wenig wandern. Später muss ich aber noch was Gescheites tun.“

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Als ich ein Kind war, fuhren wir jedes Jahr in die Berge, die meist im Südtiroler Villnösstal lagen, wo Reinhold Messner aufwuchs. Kein Urlaub, in dem nicht sein Name fiel, in dem mein Vater uns Kinder nicht ernst ansah und sagte: „Das ist die Heimat von Reinhold Messner.“ Es hatte immer etwas Feierliches. Ohne dass wir um die Bedeutung Messners wussten, wurde uns in diesem Augenblick klar, dass es sich um einen sehr berühmten Menschen handeln musste.

          Ihn umgibt etwas Hartes

          Wir stellten keine Fragen. Wir kannten ihn von Fotos, viele seiner Bücher standen im Wohnzimmerregal. Mein Vater blätterte gerne in ihnen, und wir guckten ihm gerne dabei zu. Damals prägte sich mir ein Bild dieses Mannes ein: sein wirres, etwas zu langes Haar, der kühle Blick, die Unerschrockenheit. In all den Jahren ist er für mich nicht gealtert. Er ist geblieben, wer er einst gewesen ist.

          „Um die Natur zu erfahren, muss ich die Zivilisation verlassen”: Reinhold Messner sucht die Grenzerfahrung

          Es dauert eine Weile, mit Reinhold Messner ins Gespräch zu kommen. Nicht, dass er unfreundlich wäre, er ist freundlich, auf eine professionelle Art und Weise. Als würde er Audienz halten. Er arbeitet Dinge gerne ab, Termine, Interviews, Menschen. Ihn umgibt etwas Hartes, aber das macht ihn nicht unsympathisch, nur unnahbar. Wir gehen in Kehren den Hang hinauf, zügig, wie Menschen, die zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Ort erreichen wollen, Menschen, die ein Ziel haben. Dabei haben wir gar kein Ziel.

          Er erklärt die Gegend. Dass es schwierig sei, die steilen Hänge zu bewirtschaften, dass neunundneunzig Prozent der Äpfel, die auf den endlosen Plantagen wachsen, Südtirol verließen und manchen Bauern reich gemacht hätten. Dass die Plastikplanen, die sich auf dem gegenüberliegenden Hang ausbreiten, wohl Erdbeeren oder Gemüse schützten. Wo man Skilaufen könne. Mir fallen die eindrucksvollen Zahlen ein, ohne die sich Reinhold Messner nicht begreifen lässt. Im Grunde lässt er sich nicht einmal mit ihnen begreifen.

          Auf seiner Internetseite gibt es einen Zeitstrahl, dort kann jeder nachlesen, was Reinhold Messner in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hat: Zwischen 1950 und 1964 zum Beispiel unternahm er fünfhundert Klettertouren in den Ostalpen. Er durchstieg als Erster die viereinhalbtausend Meter hohe Rupal-Flanke des Nanga Parbat und die Yerupaja-Ostwand bis zum Gipfelgrat. Er stand als Erster auf dem Mount Everest ohne Sauerstoffgerät, technische Hilfsmittel erschienen ihm, als würde er die Natur betrügen. Er stand als Erster auf allen vierzehn Achttausendern. Er durchquerte die Antarktis über den Südpol, zu Fuß, 2800 Kilometer. Er durchquerte auch Grönland, der Länge nach, und wanderte durch die Wüste Gobi.

          Fremden bleibt der Berg fremd

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