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Renaud Camus : Erster Kandidat

Mit dem berühmten Dichter teilt er den Nachnamen: Camus. Und wie sein Vorgänger wird auch Renaud Camus von Frankreichs Literaturbetrieb gehasst. Das hindert ihn nicht, seine Kandidatur für die Präsidentenwahl 2012 anzukündigen. Oder macht er nur Werbung für sein neues Buch?

          Dass er Camus heißt, ist nicht sein Fehler. Mit dem berühmten Dichter und Philosophen, den Nicolas Sarkozy zum fünfzigsten Todestag zu Propagandazwecken ins Pariser Pantheon überführen wollte, hat Renaud Camus gleichwohl einiges gemein. Er ist ein Moralist und wird wie zeitweise Albert Camus vom Literaturbetrieb richtiggehend gehasst. Er bietet dafür durchaus Anlass: Renaud Camus hatte sich einmal verwundert über die hohe Zahl jüdischer Mitarbeiter beim staatlichen Kultursender „France Culture“ geäußert. Aus seinem Tagebuch wurden antisemitische Zwischentöne herausgehört.

          Gegen die Islamisierung hat er gelästert und sich mit Skandalen wie Provokationen gegen den Zeitgeist einen bekannten Vornamen gemacht. Er vertritt ähnliche Anliegen wie Alain Finkielkraut. Die Schule, die Republik und die Kultur des Bildungsbürgertums liegen ihm am Herzen. Sie sei ein Privileg und ihr Erwerb mit Anstrengungen verbunden. Und das solle so bleiben.

          Die Kandidatur, eine aussichtslose Show

          Dass der Gesellschaftskritiker schon 2002 eine politische Partei gegründet hatte, war bislang kaum jemandem bewusst. Mit ihrer Unterstützung will Renaud Camus 2012 Staatspräsident werden. Das sollte mit dem Erscheinen seines neuen Buchs im November bekanntwerden. Doch der „Nouvel Observateur“, der zu seinen Lieblingsfeinden gehört, hat im Voraus Wind von der Ankündigung bekommen. Oder auch nur das Gras wachsen gehört: „ABC der Unschuld“ lautet der Titel von Camus' angekündigtem Essay, und nach ihm ist auch seine Partei benannt.

          Dass es Schriftsteller in die Politik zieht und die höchsten Politiker nach den literarischen Weihen lechzen, ist nicht neu. Albert Camus (und auch Sartre) wollten allerdings weder Amt noch Orden, und nach Macht strebten ihre Zeitgenossen - wie Louis Aragon - allenfalls in der Kommunistischen Partei. Renaud Camus beruft sich auf die noch berühmteren Vorfahren Lamartine und Victor Hugo. Doch seine Kandidatur erinnert eher an jene des tragischen Komikers und Clowns Coluche: eine aussichtslose Show. Sie setzt Camus dem Verdacht aus, dass es ihm vor allem um Werbung für sein Buch geht. Ausgerechnet der polemischste Kritiker der Mediengesellschaft und Stimmungsdemokratie steigt als erster Kandidat in die Niederungen ihrer Arena. Wir freuen uns auf den Schauwahlkampf.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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          Quelle: F.A.Z.

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