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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Religionsverständnis Respekt

 ·  Das Video „Innocence of Muslims“ ist ein Machwerk, das nun in der arabischen Welt zum Vorwand von Gewalt gegen den Westen dient. Wie sollen wir damit umgehen?

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Den Urheber des Videos „Innocence of Muslims“ können wir uns nicht als besonnenen Menschen vorstellen. Als Amerikaner ägyptischer Herkunft und koptischen Glaubens hätte er um die Gefahren, die sein Machwerk heraufbeschwört, besonders wissen müssen. Er selbst steht unter Polizeischutz, den Schutz religiöser Minderheiten in islamischen Staaten kann derweil niemand gewährleisten.

Daran ändern auch die Distanzierungen nichts, nicht die der amerikanischen Regierung und nicht die der Schauspieler, die der Produzent über sein Vorhaben offenbar getäuscht hat, indem er ihr Laienspiel nachträglich mit islamfeindlichen Texten belegte. Dass der einstige Türkei-Korrespondent und Kirchenredakteur des SWR, Ulrich Pick, in einem Kommentar, den man auf vielen ARD-Kanälen und im Internet hören kann, darauf verweist, es wäre klug, auf solche Provokationen zu verzichten, ist angebracht.

Auch passt, dass er auf das unterschiedliche Religionsverständnis im Westen und in islamischen Ländern verweist. In unseren Breiten redet es sich leicht über den Glauben, ist Kritik und Satire in jeder Form möglich, in Afghanistan oder Ägypten nicht.

Dort wird ein „Respekt“ vor der Religion - allerdings vor allem der einen - verlangt, den nicht an den Tag legen zu müssen bei uns ein Grundrecht ist. Und genau dieses stellt der ARD-Kommentator zur Disposition, indem er sagt, dass die satirische Behandlung religiöser Themen im Westen legitim sei, weil man sie hier verstehe, im Orient aber nicht, weil sie nicht verstanden „und somit nicht akzeptiert“ werde.

Der Flächenbrand ist entzündet

Im Zeitalter digitaler Medien gibt es aber keine getrennten Kommunikationsräume mehr. Was ein Amerikaner bei Youtube plaziert, landet in Benghasi, Kairo oder Sanaa, vor allem, wenn Leute es ins Arabische übersetzen, die gewaltsamen Aufruhr planvoll schüren.

Mit „Innocence of Muslims“ verhält es sich wie mit den Mohammed-Karikaturen - die gezielte Skandalisierung entzündet erst den Flächenbrand. Dabei gilt der Anspruch islamistischer Religionshüter, anders als es im ARD-Kommentar anklingt, weltweit. Er trifft unbarmherzig kritische Geister in islamischen Ländern und in aller Welt - den Schriftsteller Salman Rushdie oder dänische Zeichner.

Und darin liegt der wahre Skandal. Ein Gebot der Klugheit ist es natürlich, auf sinnlose Provokation zu verzichten, von der Aufstachelung zum Hass nicht zu reden. Wer dem aber allein mit dem Gebot des „Respekts“ begegnet, redet aus Angst vor der Auseinandersetzung der Selbstzensur das Wort.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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