Der einundneunzigjährige Heidelberger Völkerrechtler Karl Doehring sieht Deutschland einem „geistigen Chaos“ entgegentaumeln, wenn Bund und Länder an ihrem Projekt festhalten, einen Religionsunterricht für Muslime einzurichten. Diese durch Artikel 7 des Grundgesetzes eröffnete Möglichkeit müsste, so die gestern in dieser Zeitung dargelegte Überzeugung Doehrings, den Verfassungsstaat in einen Selbstwiderspruch führen.
Der geistigen Ordnung glaubt der Schüler Ernst Forsthoffs einen Dienst zu leisten, indem er den Unterschied zwischen einer „rein rationalen Religionsvermittlung“ und dem bekenntnisgebundenen Unterricht anhand des hypothetischen Szenarios erörtert, es würde auch Bekenntnisunterricht in Marxismus und Nationalsozialismus erteilt. Über beide Weltanschauungen kann man „deskriptiv“ informieren, man kann sie aber auch predigen. Aus erster Hand hat der einstige Panzeroffizier im Afrikakorps über den Nationalsozialismus in seinen Memoiren und in zahlreichen Leserbriefen berichtet.
Die gemäßigte Koranauslegung als ein Ding der Unmöglichkeit
Welchen Sinn hat es, die Aufgabe des Religionsunterrichts mit den hergeholten Beispielen des Hitlerkults und der Weltkirche der Proletarier zu erklären? Nun, offenkundig soll der Leser auf die deskriptive Information vorbereitet werden, dass der Islam der Totalitarismus unserer Tage sei. Die Verfassungswidrigkeit der Botschaft des Propheten will Doehring aus dem „Verhalten des überwiegenden Teils der islamischen Bevölkerung“ beweisen: Strikte „Unterordnung der Frauen unter die Herrschaft des Mannes“ werde „so weitgehend praktiziert, und zwar auch in der Fremde und von unter fremden Rechtsordnungen lebenden Muslimen“, dass eine gemäßigte Koranauslegung ein Ding der Unmöglichkeit sei. Selbst die erzfeministische Islamkritikerin Alice Schwarzer meint allerdings zu wissen, dass die allermeisten Muslime in westlichen Gesellschaften sich nicht strikt an die Gebote Mohammeds halten.
Die anderslautende Unterrichtung des Zeitungslesers durch Doehring, der gelegentlich schon das Schreckgespenst eines nach der Scharia judizierenden Bundesverfassungsrichters an die Wand malte und im vergangenen Jahr zugunsten von Thilo Sarrazin die völkerrechtliche Figur der „gefährlichen Anhäufung von Fremden“ ins Spiel brachte, kann man schwerlich als rationale Wissensvermittlung qualifizieren. Doehrings Pamphlet führt nebenbei vor Augen, wie riskant für die Kirchen ein Bündnis mit der Islamkritik wäre. Die „religiöse Glaubensvermittlung“ ist nach Doehring immer eine „irrationale“. Begründung: „der Gottesbeweis kann nicht angetreten werden“. Descartes, Hegel, Spaemann: muslimische Schläfer und wahrscheinlich Kommunisten dazu.
Ich glaube nicht, daß Lächerlichmachen auf Dauer als Argumentation trägt...
Julius Schäffer (jschaeffer)
- 23.09.2010, 20:44 Uhr
„Ein hochintelligenter Artikel, den keiner verstand“
Gisela Zabka (heta)
- 24.09.2010, 03:53 Uhr
1:0 für Doehring!
(HJGF)
- 24.09.2010, 15:08 Uhr
@Gisela Zabka
Lucas Janssen (Lucas73)
- 24.09.2010, 16:58 Uhr
Man kann das leere Wortgeschwurbel der Gutmenschen einfach nicht mehr hören
Martin Klocke (mampo)
- 24.09.2010, 21:40 Uhr