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Veröffentlicht: 23.12.2010, 12:00 Uhr

Kopfüber in die Nacht

Das muss man erst einmal schaffen: Robert Frank als Vorwortautor für den eigenen Bildband zu gewinnen. Zugegebenermaßen ist es nicht sonderlich ausführlich. Vier Sätze und die Frage: "Wer weiß?" Das ist alles. Aber wie Frank darin für den einsamen Künstler das Gefühl von Resignation mit dem Gedanken an Jubel zur Deckung bringt, macht ihm so schnell keiner nach.

Das muss man erst einmal schaffen: Robert Frank als Vorwortautor für den eigenen Bildband zu gewinnen. Zugegebenermaßen ist es nicht sonderlich ausführlich. Vier Sätze und die Frage: "Wer weiß?" Das ist alles. Aber wie Frank darin für den einsamen Künstler das Gefühl von Resignation mit dem Gedanken an Jubel zur Deckung bringt, macht ihm so schnell keiner nach. Am Schnittpunkt dieser Emotionen mag sich Caleb Cain Marcus tatsächlich bewegen, wenn er nachts allein mit der Kamera unterwegs ist, um die öden Viertel von Brooklyn und der Bronx zu fotografieren: Container hinter Gitterzäunen, verschmierte Rollläden, Häuser wie Festungen. Es sind Albtraumorte, wie Kulissen grausamer Kriminalfilme. Aber fotografiert hat Marcus sie mit der Emphase eines Poeten.

F.L.

"The Silent Aftermath of Space" von Caleb Cain Marcus. Damiani, Bologna 2010. 48 Seiten, 20 Fotos. Gebunden, 40 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2010, Nr. 299 / Seite R4

 

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